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Beziehungen auf engstem Raum

Curth Flatows „Mein Vater, der Junggeselle“ feierte Premiere in der Komödie am Altstadtmarkt.

Von Andre Pause, 17.03.2013.


Braunschweig. Ein Raunen geht gleich zu Beginn der Premiere von „Mein Vater, der Junggeselle“ durch die voll besetzten Publikumsreihen der Komödie am Altstadtmarkt. Irgendetwas mit „paar Kilos mehr drauf“ murmelt eine Besucherin.

Der halblaute Kommentar ist dem körperlichen Expansionskurs des Hauptdarstellers und Zugpferdes des Abends, Michael Schanze, geschuldet. Der beliebte Schauspieler, Moderator, Sänger und Autor spielt in der Curth-Flatow-Komödie den Schriftsteller Frank Hoffmann. Und, um es vorwegzunehmen: Die Gelassenheit und Ruhe, die der Showroutinier seiner Rolle auch dank der Körperfülle verleiht, tut dem Stück ausgesprochen gut.
Lakonisch gewitzt in der Ansprache und dennoch unaufgeregt erdet Schanze das ein ums andere Mal ein wenig zu bemüht dargebotene hektische Treiben auf der Bühne.
Denn eigentlich ist die entlang von Liebesfreuden und Vaterpflichten gesponnene Geschichte Flatows eine ohne die ganz großen Knalleffekte, und darüber hinaus eher bieder inszeniert von Florian Battermann.
Der Plot: Das Junggesellenleben von Frank Hoffmann, bereichert durch die noch frische Romanze mit der Studienrätin Dr. Cornelia Braun, erfährt eine einschneidende Wendung als Sohn Thomas beschließt, mit in die kleine Anderthalbzimmerbude des Vaters zu ziehen. Der reiche Neue an Mutter Barbaras Seite passt dem Sohnemann nicht. Und so lädt dieser seine Schulkameradinnen zum Tête-à-tête ab sofort auf die Aufstellpritsche ins neue Heim. Die Liebe zur, von Franziska Wagner mit Reizen nicht geizend gespielten, Kurzzeitfreundin Sabine erledigt sich zwar schnell, beschert dem Herrn Papa allerdings einen Verlagskontrakt für sein Buchskript. Praktischerweise ist Sabines Ex-und-nach-Thomas-wieder-Freund Verlegersohn.
Als sich die Welt für alle Protagonisten nach und nach zu kitten scheint, führt ein Elterngespräch zwischen Frank und Barbara Hoffman, befeuert durch einen Stromausfall sowie drei Flaschen Wein, zum einmaligen Gefühlsrevival. Doch die gemeinsam verbrachte Nacht bleibt für die Beteiligten folgen- weil kinderlos. Was Barbara nicht daran hindert, ihren Ex mit kugelrundem Babybauch vorübergehend ins Wanken zu bringen. Am Ende ist die neue Pärchenordnung wiederhergestellt und natürlich alles gut.
Auch wenn sich die Aufführung regiebedingt ein wenig längt: Die Leistungen auf der Bühne gehen in Ordnung. Neben dem starken Michael Schanze, können vor allem Astrid Straßburger als biestige wie resolute und dennoch ihre schwache Seite nicht verleugnende Barbara Hoffmann sowie die im Verlauf des Abends immer stärker agierende Renate Koehler als schrullig-schwatzhafte Haushälterin Stadelmayr überzeugen. Durchweg solide spielt Marion König den Part der Cornelia Braun. Wohingegen die Rolle des Sohnes im Abituralter mit Andreas Werth, Jahrgang 78, doch etwas betagt besetzt erscheint.
Der Applaus für den ersten Junggesellenabend in der Komödie fiel herzlich aus. Weitere Vorstellungen sind vom 19. März bis zum 20. April zu sehen. Mehr Informationen im Internet unter: www.komoedie-am-altstadtmarkt.de.
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