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Berliner Brüllerei

Drei Mal ausverkauft: Mario Barth hat gebrüllt und gescherzt – und am Ende alle überzeugt.

Von Marc Wichert, 16.12.2012.


Braunschweig. Mario Barth wird gehasst oder geliebt. Dazwischen gibt es wenig. Jetzt stand der Comedian an drei Abenden vor ausverkaufter VW-Halle – und es dürften mehr geworden sein, die ihn lieben.

Er windet sich, brüllt, geht in die Knie und rennt von der einen in die andere Ecke der tennisplatzgroßen Bühne. Er fasst sich ans Ohr, hält seine Hand über das rechte Auge und kichert wieder. Mario Barth ist in seinem Element und in der VW-Halle heben sich die Schultern vor Lachen.
Kurz vorher, acht Uhr fünfzehn am Abend, der erste von drei Auftritten in Braunschweig. Das neue Programm heißt „Männer sind schuld, sagen Frauen“, so ähnlich hieß auch das davor und das davor und so weiter.
Als auch wirklich der allerletzte Stuhl besetzt ist, wird der Berliner mit einer Stimme angekündigt, wie man es von Ringansagern bei Boxkämpfen kennt. Es wird dunkel in der Halle, dann knallt es, und der Vorhang fällt unter dem Applaus von 6600 Menschen. Das Bühnenbild: ein S-Bahnhof. Eine Deko-S-Bahn fährt auf die Bühne und dann ist er da. Er lacht erst einmal, einfach so, den Kopf leicht gebeugt. Als würde er sich auf Touren bringen müssen, lacht er, zwanzig Sekunden, dreißig Sekunden – vielleicht muss man so sein, um die Hallen und Stadien voll zu bekommen. Vielleicht muss man aber auch so werden, wenn man allein vor Tausenden steht, seit Jahren auf vollen Touren läuft, Abend für Abend. Mario Barth ist nicht nur mehrfacher Gewinner des Deutschen Comedy-Preises, sondern auch Weltrekordhalter für einen Live-Auftritt im Jahr 2008 vor 70 000 Menschen im Berliner Olympiastadion. Gleichzeitig wählte ihn eine Zeitschrift zum „peinlichsten Berliner des Jahres“. Der Mann polarisiert.
Dann die Begrüßung, der erste Witz, verpackt in die unausweichliche Schmeichelei: „Wisst Ihr, warum Braunschweig die einzige Stadt ist, in der ich drei Mal auftrete? Weil Ihr so hübsche Frauen habt!“, brüllt Mario Barth, der in T-Shirt, Jeans und Turnschuhen die nächsten zwei Stunden wie ein Derwisch über die Bühne fegen wird. Ein Mann des feinen Witzes, der leisen Töne, ein Mann wie es etwa Loriot, der Übervater des deutschen Humors, war, ein solcher Mann ist Mario Barth nicht. Wo Loriot seinen Humor mit einer Prise Understatement und lässiger, fast britischer Tollpatschigkeit versah, schreit Mario Barth, der derzeitige Mega-Star unter Deutschlands Komödianten, seine Witze hinaus und spult ein mimisches und gestisches Feuerwerk ab, dass auch der Zuschauer in der hintersten Reihe versteht, worum es geht.
Dann der erste Witz: „Die gute Nachricht ist: Ich bin noch mit meiner Freundin zusammen“, Mario Barth brüllt. „Die schlechte: Es hat sich nix geändert“, Trauermiene bei Barth, die Halle lacht. So stimmt er seine Fans auf den Abend ein: Mann und Frau gegenüber-, seine eigene (fiktive?) Beziehung bloßstellen. Seine Partnerin nennt er im weiteren Verlauf nur „The Brain“, weil sie sich für so viel schlauer hält und ihr Diplom eingerahmt und beleuchtet an die Wand gehängt hat. „Spülmaschinendiplom“ vermutet Barth jedoch, so blöd stelle sie sich an. Egal, er sagt es ihr nicht und mimt den Doofen: Der Mann ist am Ende doch der Klügere.
So macht Barth es schon immer und etwas anderes wollen seine Fans auch gar nicht. Die Message von Mario Barth an diesem Abend und auch sonst: Frauen sind anders als Männer und umgekehrt. Das Thema ist aber auch einfach zu verlockend: Jeder kennt sie schließlich, diese alltäglichen Absurditäten des Zusammen- und Nebeneinanderlebens. Und in diesem Punkt, da ähneln sich Barth und Loriot dann doch.
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