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Bei „Carmen“ trifft Tradition auf Moderne

Von Sebastian Walther

Braunschweig. Zwei Hauptdarstellerinnen eröffneten die Braunschweiger Tanztage. Im Großen Haus des Staatstheaters präsentierte Tanztheaterdirektorin Eva-Maria Lerchenberg-Thöny ihre Interpretation der „Carmen“ mit einer Doppelbesetzung. Das Premieren-Publikum feierte die Uraufführung, die den Start für die „Tanzwelten“ gab.

Die eine blond und mit zaghaftem Wesen, die andere dunkelhaarig, fordernd und rücksichtslos. Daniela Indrizzi und Jana Ritzen waren beide Carmen am vergangenen Sonnabend und repräsentierten das zwiegespaltene Innere der attraktiven Zigeunerin.
Deren Ursprungsgeschichte geht zurück auf eine Novelle aus dem Jahre 1847. Sie bildet die Grundlage für die ein Jahr später uraufgeführte Oper von Georges Bizet. In vielen Theaterhäusern wurde der Stoff seitdem auf die Bühnen gebracht. Lerchenberg-Thöny verwandelte ihn in ein modernes Tanztheater, das mit schlichtem Bühnenbild auszukommen vermag.
Der Vorhang öffnet sich und gibt einen kargen Raum preis: eine Gefängniszelle. Ein Spiegel an der Wand, darunter ein Waschbecken und als einziges Möbelstück ein metallenes Bett für die Inhaftierte. Hier ist sie allein mit ihren Zweifeln, gepeinigt von ihrer Vergangenheit, dem inneren Zweikampf mit sich selbst ausgeliefert.
„Die beiden Seiten ihrer Persönlichkeit kämpfen gegeneinander, mal ist die eine, mal die andere Seite dominant. Ihre Umwelt nimmt beide als eine Person wahr, die eben gerade durch ihre Unterschiedlichkeit fasziniert“, formuliert Lerchenberg-Thöny den Ausgangspunkt ihrer Inszenierung.
Ihre Carmen liebt und lacht, weint, mordet, ringt mit sich und stellt sich schlussendlich ihrer dunklen Seite – dazu lässt Lerchenberg-Thöny die beiden in roten Kleidern mal anmutig mal energisch über die Bühne tanzen.
Auch musikalisch wagt die neue Tanztheaterdirektorin den Spagat zwischen Tradition und Moderne. So wie sie dem historischen Stoff in modernem Gewand Ausdruck verleiht, erweitert sie das musikalische Spektrum der Opern-Musik mit Klangbeigaben des Berliner Elektro-Komponisten Georg Zeitblom.
An drei Terminen Ende März erklingen dessen Töne, die den gelungenen und vom Publikum minutenlang gefeierten Auftakt für die Braunschweiger Tanztage „Tanzwelten“ bildeten. Bis einschließlich Sonntag reflektiert die erstmalig stattfindende Veranstaltungsreihe im Großen wie im Kleinen Haus noch den Tanz in Workshops und Aufführungen – international, bunt und facettenreich. Mit dabei: „And I love you so“, das indische Bühnenstück „Surkh“ sowie die ägyptisch-französische Co-Produktion „Les maux de soqoot el zakera“, deren Textgrundlage englisch-arabische Gedichte bilden.
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