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„Bedingungen nicht erfüllt“

Classix Festival: Staatstheater zieht sich zurück – „Risiko zu hoch“.

Von Marion Korth, 27.03.11

Braunschweig. Enttäuschung auf ganzer Linie, das war es dann wohl mit dem Versuch, wenigstens die fünf größten Konzerte des Classix Festivals zu retten.

Die Stiftung des Staatstheaters sowie das Theater selbst verkündeten jetzt ihren Rückzug.
Beide Institutionen waren kurzfristig in die Bresche gesprungen, nachdem bekannt geworden war, dass das Festival in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt. „Nach abschließender Bewertung (…) muss leider festgestellt werden, dass wesentliche Elemente des mit Herrn Wille vereinbarten Konzepts nicht erreicht sind. Daraus resultierende Unsicherheiten und nicht absehbare Rechtsrisiken sind weder für die Stiftung noch für das Staatstheater tragbar“, heißt es in der Mitteilung.
„Die Verzichtserklärung der Gläubiger liegt immer noch nicht vor“, nennt Kulturdezernentin Dr. Anja Hesse ein Beispiel für das, woran es immer noch hakt. Dass das Staatstheater jetzt die Bremse gezogen hat, bedauere sie sehr, „aber ich muss das akzeptieren“. Hesse hatte für die Stadt am Verhandlungstisch gesessen, sich dafür engagiert, dass der Verwaltungsausschuss in einer Sondersitzung am 17. Januar seine Zustimmung für 100 000 Euro zur Rettung des Festivals gegeben hatte. „Von unserer Seite ist alles frühzeitig in die Wege geleitet worden“, sagt sie. Zuletzt sei Festivalintendant Hans-Christian Wille bis zum 28. Februar Zeit gegeben worden, die Bedingungen des Moratoriums zu erfüllen. Auch diese Frist ist verstrichen.
„Der Vorlauf war da“, sagt Kulturdezernentin Dr. Anja Hesse, dennoch lief zuletzt allen Beteiligten die Zeit davon. Auch Joachim Klement, Generalintendant des Staatstheaters, äußert Bedauern. „Ich finde es schade, dass es innerhalb der verabredeten Fristen nicht möglich war, eine Lösung zu finden.“
Hans-Christian Wille, Intendant des Classix Festivals und Geschäftsführer der in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Veranstaltungsfirma KMP, hatte einen ganzen Aufgabenkatalog abzuarbeiten. Damit das Staatstheater die seit mehr als 20 Jahren eingeführte Marke Classix übernehmen und das Festival in die Zukunft hätte führen können, hätten einige Grundbedingungen erfüllt werden müssen. Ein Neuanfang wäre nur ohne Schuldenberg möglich gewesen. „Wenn man die Marke erhalten möchte, und das wollten wir, dann hätte KMP abgewickelt werden müssen, dann hätten mit den Gläubigern rechtsverbindliche Vereinbarungen getroffen werden müssen, dann hätten Aufhebungsverträge mit den Mitarbeitern geschlossen werden müssen“, zählt Klement auf. Bis zum 28. Februar sei dafür Zeit gewesen. „Wir sind jetzt mehr als drei Wochen später, und bis heute liegen die erforderlichen Unterlagen nicht vor.“
Bis die Markenübernahme vertraglich auf einer festen Basis stehen könnte, bis ein neues Ticketsystem eingerichtet ist und das Staatstheater richtig in den Kartenvorverkauf einsteigen könnte, wäre bestimmt noch Zeit bis Mitte April vergangen. Das erste Konzert, eines von insgesamt fünf, findet aber bereits am 5. Mai statt. „Damit sich die Konzerte rechnen, müssten wir 50 Prozent Auslastung erreichen“, erläutert Klement. Das bedeutet: „In weniger als drei Wochen müssten wir über 20 000 Euro durch Kartenvorverkäufe erwirtschaften.“ Das sei nicht mehr zu erreichen. Für Klement der Zeitpunkt, um auszusteigen, die Verantwortung für seinen Betrieb wiegt schwerer.
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