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Bacchus und Vulkan sind wieder da

Nach mehr als 200 Jahren wiedervereint in der Sammlung des Braunschweiger Herzog Anton Ulrich-Museums: die Skulpturen des Jahreszeiten-Zyklus von Balthasar Permoser. Foto: André Pause

Herzog Anton Ulrich-Museum erwirbt Permoser-Skulpturen zurück.

Von André Pause, 07.03.2017.

Braunschweig. „Ich verfolge die Sache im Grunde, seit ich da bin. Das sind jetzt 27 Jahre“, lächelt Professor Dr. Jochen Luckhardt. Mit „die Sache“, meint der Direktor des Herzog-Anton-Ulrich-Museums (HAUM) die Wiederzusammenführung des vom bedeutenden Barock-Bildhauer Balthasar Permoser im Jahr 1695 gefertigten Jahreszeiten-Zyklus.

Lange – mehr als 200 Jahre – standen die beiden elfenbeinernen Göttinnen Flora (als Personifikation des Frühlings) und Ceres (Sommer) allein in den Vitrinen. Ihre männlichen Pendants Bacchus (Herbst) und Vulkan (Winter) gingen, wie andere Kunstwerke auch, im Jahr 1806 mit dem flüchtenden Schwarzen Herzog Friedrich Wilhelm auf Wanderschaft, nachdem Napoleon dessen Vater Herzog Carl Wilhelm Ferdinand besiegt hatte. Jetzt sind auch die männlichen Skulpturen wieder in Braunschweig. Luckhardt spricht markig von einer weiteren „Sternstunde“ für das im vergangenen Herbst wiedereröffnete HAUM. Möglich wurde dieser in der Tat spektakuläre Rückerwerb zum einen durch das Engagement und den Schulterschluss gleich mehrerer, zum Teil nichtniedersächsischer Stiftungen. Zum anderen half der Umstand, dass der englische Kunsthändler Daniel Katz – dessen Unternehmen stand im Kontakt mit Dr. Regine Marth, der Leiterin der Abteilung Skulpturen – als letzter Besitzer bereits beim Kauf der Figuren im Herbst 2015 vom Interesse der Braunschweiger an einer Rückerwerbung wusste.
Doch selbst mit dem Aufbringen der Kaufsumme von 1,8 Millionen Pfund (zum Zeitpunkt des Kaufes 2,539 Millionen Euro exklusive der Einfuhrsteuer) – die Fritz-Behrens-Stiftung Hannover, die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung, die Kulturstiftung der Länder und die Rudolf-August-Oetker-Stiftung sowie die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Professor Dr. Monika Grütters, konnten als Unterstützer gewonnen werden – war die letzte Hürde noch nicht genommen.
In Großbritannien ist für die Ausfuhr von Kunstwerken, die älter als 50 Jahre sind, beziehungsweise in ihrem Wert eine bestimmte Summe überschreiten, eine sogenannte „Export Licence“ des „Arts Council of England“ erforderlich. Diese Lizenz wurde schließlich erteilt, als die Frist eines öffentlichen Aufrufs, die Kaufsumme aufzubringen, um die Werke in Großbritannien zu halten, verstrich.
So sind Bacchus und Vulkan nach gründliche Inspektion ab sofort im zweiten Obergeschoss des HAUM dauerhaft präsent. In den Jahren 1977 und 2013 waren die Statuetten bereits im Rahmen von Sonderausstellungen in Hamburg und Florenz für kurze Zeit wieder vereint.
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