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Aus Namen Menschen gemacht

Schüler der John-F.-Kennedy-Realschule recherchierten einige der neu verlegten Stolpersteine.

Von Jens Radulovic, 08.09.10

Braunschweig. „Der Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, das ist die Idee hinter den Stolpersteinen. Durch den Einsatz des Künstlers Günter Demnig und von Schülern der IGS Franzsches Feld und der John-F.Kennedy-Realschule erinnern nun 15 neue Steine an das Schicksal jüdischer Mitbürger in der NS-Zeit.

Als Anna de Vries, Bewohnerin des Hauses Friedrich-Wilhelm-Straße 36, aus der Haustür tritt, blickt sie verwundert auf ein Loch im Bürgersteig vor ihrem Haus mit vier eingelassenen Stolpersteinen. „Ich habe solche Steine auch schon in anderen Städten gesehen“, sagt die junge Frau.
Die Stolpersteine werden von Demnig vor dem letzten frei gewählten Wohnort der von den Nationalsozialisten verfolgten Menschen verlegt. „Dass direkt an meiner Adresse einmal Braunschweiger jüdischen Glaubens gelebt haben, die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung wurden, wusste ich nicht. Jetzt interessiert mich die Geschichte dieser Menschen schon sehr“, sagt sie, „Ich werde mich auf jeden Fall einmal über sie schlau machen.“
Die vier Steine vor de Vries‘ Haus sind die letzten der 15 an diesem Tag verlegten Gedenktafeln. Die Schüler des Wahlpflichtfaches Deutsch der zehnten Klassen an der John-F.-Kennedy-Realschule wissen bereits, welche Schicksale sich hinter den Namen auf den Stolpersteinen verbergen. Dank ihrer Recherchearbeiten erfahren aufmerksame Fußgänger nun, dass in der Friedrich-Wilhelm-Straße 36 einmal Hans Spanjer-Herford mit seiner Frau Ilse und den Kindern Werner und Irmgard wohnten.
Die Schüler rekonstruierten die Lebensgeschichte von Vater Hans und seiner Familie von dessen Geburt am 24. November 1894 in Braunschweig bis zu ihrer Emigration nach Brasilien im Jahr 1937 und dem Tod von Hans am 26. Mai 1958. „In Sao Paulo haben wir dann das Stadtarchiv kontaktiert, das uns schließlich sagen konnte, dass Irmgard Spanier-Herford noch immer dort lebt“, berichtet Schüler Niklas Hachmeister.
Als einzige Information zu Beginn der Recherche stand den Jugendlichen nur der Name der Person zur Verfügung. „Dann haben wir uns aufgeteilt: Eine Gruppe suchte in den Archiven die Unterlagen heraus und die andere wertete sie in der Schule aus“, sagt Anna Schmidt.
Eine Arbeit, die sie letztlich zur Friedrich-Wilhelm-Straße 36 führte. „Die Schüler des ersten Kurses, mit dem ich die Stolperstein-Recherche gemacht habe, schrieben: ‚Wir möchten, dass aus Namen wieder Menschen werden‘. Besser kann man es nicht ausdrücken“, sagt Susanne Zaiß, die projektbegleitende Kurslehrerin.
Bei Anna de Vrieß ist dieser Wunsch bereits auf fruchtbaren Boden gefallen.
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