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Aus Liebe zur Forschung von Syrien ins kalte Deutschland

Vor fünf Jahren kam Jihad Al-Qudsi als Student in die Löwenstadt – Begeisterter Forscher

Von Birgit Leute

Braunschweig. An die hochgezogenen Augenbrauen hat er sich inzwischen gewöhnt. „Jihad – da denken die Leute natürlich sofort an Radikalität und Krieg. Dabei hat mein Vorname gar nichts damit zu tun“, erklärt der 31-jährige, in Kuweit geborene Al-Qudsi freundlich.

Fast fürsorglich gießt er beim Interviewtermin den Kaffee ein, fügt etwas Milch hinzu, rührt um und lässt erahnen, was Gastfreundschaft in Arabien bedeutet.
Leider, bedauert Jihad Al-Qudsi, würde das Bild durch die einseitige Berichterstattung in den Medien immer wieder verzerrt, Araber schnell mal über einen Kamm geschoren. „Ich merke das eben an meinen Namen“, lächelt der Doktorand der Biochemie, der derzeit am Helmholtz-Institut für Infektionsforschung arbeitet. Na gut – aber was heißt denn jetzt Jihad wirklich? „Es kommt von dem arabischen Wort ‚dschahada‘ und will erst einmal nichts anderes sagen, als ‚sich bemühen‘ oder ‚sich anstrengen, dass Beste zu geben‘“, erläutert er. Kein andere Name könnte besser zu Jihad Al-Qudsi passen.
Für eine bessere Ausbildung verließ er vor fünf Jahren sein Studienland Syrien und kam nach Braunschweig. „Wer als Wissenschaftler weiterkommen will, dem bleibt nichts anderes übrig, als Arabien zu verlassen und in Europa oder Amerika zu studieren“, sagt der ehrgeizige Doktorand. Bei der Ausstattung hiesiger Labore, bei der Beschreibung seiner deutschen Professoren bekommt Jihad Al-Qudsi glänzende Augen. „Nicht umsonst gibt es bei uns die Redewendung ‚Made in Germany‘“ als Garantie für Qualität.“
Umso mehr irritieren ihn die rigiden Bestimmungen, die für arbeitswillige Ausländer gelten. „Ich würde gerne hier bleiben, aber wer weiß, was nach meiner Promotion passiert“, bemängelt er den Paragraphendschungel des Aufenthalts- und Arbeitsrechts. Als Wissenschaftler nicht voll anerkannt zu werden, vielleicht umsonst eine fremde Sprache erlernt zu haben, scheint ihn, den Sohn eines studierten und gebildeten Lehrerehepaars, offensichtlich mehr zu stören, als die Stereotypen über Ausländer, die manchmal in der Straßenbahn zu hören sind. „Solche Meinungen gibt es doch überall“, winkt er ab. Ihm gefällt die Ernsthaftigkeit, mit der hier gearbeitet wird, die Ehrlichkeit der Menschen, ja selbst an die Kälte hat er sich gewöhnt. „Sicher – die Deutschen gelten als reserviert. Einige meiner ausländischen Freunde sind deshalb auch weggezogen“, sagt Al-Qudsi. „Aber ich habe das nie so empfunden und – verschlossene Menschen gibt es auch in Arabien“, räumt er ganz im Vorbeigehen mal wieder mit einem hiesigen Vorurteil auf.
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