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Aus Liebe nach Klein Ilsede

TV-“Bösewicht“ Ulli Kinalzik spielt bis 26. November in „Agatha Christies Hobby ist Mord“.

Von André Pause, 10.11.2010.

Braunschweig. Ulli Kinalzik zählt zu den markanten Gesichtern des deutschen Fernsehens. Noch bis zum 26. November ist der Schauspieler in „Agatha Christies Hobby ist Mord“ in der Komödie am Altstadtmarkt zu sehen. nB-Mitarbeiter André Pause hat mit ihm gesprochen.

? Sie sind seit rund 40 Jahren Schauspieler...

! Ach länger! Ich war 24, als ich das erste Fernsehspiel gemacht habe, ich werde 72, also mache ich das schon eine Weile, ich rechne jetzt mal nicht.


? Was hat sich, was Ihren Beruf anbelangt, in dieser Zeit verändert?

! Als ich angefangen habe zu drehen, hat man noch sehr intensiv gedreht. Da gab es noch Regisseure, die kamen zum Teil vom Theater. 1969, als ich meinen ersten „Kommissar“ mit Erik Ode gemacht habe, hatten die Leute Zeit, Freitag, Samstag und Sonntag vor dem Fernseher zu sitzen. Es gab nur zwei Programme und die Dritten. Also guckte man Krimis.

? Und heute?

! Heute wissen Sie kaum noch, wer wo in welcher Serie mitspielt. Ganz schlimm ist es bei den Soaps. Für einen Tatort – das ist auch heute noch so – dreht man ungefähr vier Wochen, und das Ergebnis sind 90 Minuten. Wenn es schwierig wird, schafft man bei solchen Prestigeformaten am Tag fünf bis acht Minuten. Mir wurde gerade „Rote Rosen“ angeboten, was ich abgelehnt habe, weil es mir zuviel geworden wäre. Da drehen sie 50 Minuten am Tag. Bei der Hektik kann man überhaupt nicht gut sein. Das ist für mich verlorene Lebenszeit, das muss ich nicht haben.

? Oft heißt es, man „verbrenne“ in solchen Formaten schneller.


!Das ist ähnlich wie früher bei der Werbung. Das wurde auch ganz gut bezahlt, aber wenn Sie da drin waren, haben Sie auch große Schwierigkeiten gehabt. Ein Regisseur sagte mir einmal: Ich kann nicht jemanden, der um fünf vor acht noch eine Werbung für Toilettenpapier macht, um viertel nach acht in einem tollen Fernsehspiel haben.

? Zum Glück spielen Sie ja auch viel Theater.

! Jetzt ja, früher habe ich aber mehr Fernsehen gemacht. Als die Privaten herauskamen, waren plötzlich alle im Jugendwahn. Wenn Sie heute von Quoten lesen, heißt es nur noch: von 14 bis 49. Darunter gibt es nichts, darüber auch nicht. Wir haben aber eine Altersstruktur mit 20 Prozent Rentnern in Deutschland.

? Was kann man tun, wenn die Rollen ausbleiben?

! Ich habe alle drei Standbeine ausprobiert: Fernsehen, Synchron und Theater. Das nutze ich jetzt und spiele hier in der Komödie, dann habe ich noch etwas in Hannover, und in Celle spiele ich demnächst eine Bombenrolle: Richard Nixon in „Frost Nixon“.

? Haben Sie ein Standbein des Herzens?

! Fernsehen! Erst einmal verdient man mehr Geld, darauf gucke ich letztendlich auch. Dann sind die Umstände immer gut, da ist man zum Beispiel mal für Außenaufnahmen im Ausland und kann sich, wenn man frei hat, Dinge angucken. Und schließlich kenne ich das Metier auch ganz gut. Ich habe keine Angst vor der Kamera, weiß mit Kamera, Licht und Ton umzugehen.

? Wie unterscheidet sich das Arbeiten?

! Hier (im Theater) müssen Sie eine Rolle mit Proben entwickeln, da ist es so, dass Sie eine kurze Szene haben, die Sie aus dem Stand abliefern müssen. Man muss mit der Emotion auf den Punkt bereit sein.

? Sie spielen nun wieder ein Kriminalstück, haben Sie eine Vorliebe für dieses Genre?

! Nein, überhaupt nicht. Aber ich war sonst immer auf der Gegenseite, hier nicht, normalerweise spiele ich ja immer die Bösewichte. (schmunzelt)

? Sie wohnen jetzt in Ilsede...

! In Klein Ilsede sogar. Wir haben uns vor zweieinhalb Jahren ein Haus gekauft, ein sehr schönes am Ortsrand. Ich gucke in die eine Richtung fünf und in die andere drei Kilometer, habe zwei Nachbarn und sonst einen traumhaften Blick, und das genieße ich.

? Wie sind Sie darauf gekommen?

! Ich bin hier gelandet, weil sich eine Beziehung ergeben hat. Wir sind seit einigen Jahren verheiratet. Sonst wäre ich wahrscheinlich nie hierher gekommen. (lacht).
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