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Aus dem Privatquark direkt an die große Glocke

Rainald Grebe kommt am 2. April mit dem neuen Programm „Berliner Republik“ in die Stadthalle – Im Mai führt er Regie am Schauspiel Hannover.

Von André Pause, 23.03.2014.

„Berliner Republik“ heißt das aktuelle Programm von Rainald Grebe. Mit dem gleichnamigen Album im Gepäck geht es ab April auf Tour. Am 2. April kommt er in die Stadthalle. nB-Mitarbeiter André Pause hat vorab mit dem Allround-Künstler gesprochen.

? Herr Grebe, in Kürze startet ihre neue Tour. Was erwartet die Besucher?

! Es ist ein komplett neues Programm. Wir haben eine Grundlage, aber es wird nie das Gleiche sein. Auf Tour verändert sich viel. Es ist aktuell und wird immer wieder gemorpht. Wir haben sozusagen die Startrampe und schauen dann, was daraus wird.


? In der politischen Szene „Berliner Republik“ befinden wir uns im Grunde da, wo wir uns vor Jahren schon einmal befunden haben. Macht Ihnen dieser Umstand das Arbeiten leichter oder schwerer? Sehen Sie manchmal die Gefahr, sich mitsamt der Sujets im Kreis zu drehen?

! Wiederholungen bleiben nicht aus. Das ist aber ganz normal. Ich war jetzt eher überrascht, dass ich in sechs Wochen so viele neue Sachen geschrieben habe. Es ist ja dauernd so, dass man sagt: Das klingt ja wie das. Da muss man sich manchmal aus der Schlinge ziehen.
? Sie skizzieren mit ihren Liedern die gesellschaftspolitischen Verhältnisse sehr präzise. Wie entstehen Ihre Songs?

! Im Vorfeld, bevor die heiße Zeit losgeht, mache ich mir Gedanken um die grobe Form, die Hauptthemen. Es sind ja immer mehrere, die ich miteinander verquicke. Oft nehme ich, in der Zeit, wo alles entsteht, schon auf. Dieses Mal ging es damit los, dass ich sage: Ich habe abgenommen mit Detlef D. Soost, also ganz bescheuert eigentlich (lacht). Das zieht dann natürlich Kreise, so mit Motivationstrainern und Leuten, die sich fit machen. Das alles übertrage ich auf die Band. Und dann wird es auf einmal politisch. Ich gehe immer vom privatesten aus und versuche das dann an die große Glocke zu hängen. Fett und Körperzellen mit der NSA zu verbinden – das war die Aufgabe.

? Sie müssen sich den Dingen beim Schaffensprozess wahrscheinlich sehr direkt widmen. Gibt es Personen oder Themen, bei denen Sie sagen: Da habe ich keinen Bock mehr drauf?

! Bock ... weiß ich jetzt nicht. Es ist halt immer eine Mischung zwischen Spiegel-Online und dem privaten Erleben. Dieses Mal war es verstärkt so, weil ich mich im vorherigen Programm nur über Privatleben und Familienforschung ausgelassen habe. Jetzt wollte ich mal wieder sehen: Was kann man für Attacken reiten. Mir war wichtig, dass es nicht im Privatquark steckenbleibt. Die Programme sind immer Halbjahres- oder Viermonatsarbeiten. Und was zur Zeit des Schreibens kam, war halt genau das: Große Koalition, Bundestagswahl und so weiter. Da gibt es jetzt auch ein Lied drüber. Auf der anderen Seite versuche ich auch immer Themen reinzubringen, die drei Monate überdauern. Ein Hauptding war tatsächlich diese Überwachung, aber so, dass man sie total nach draußen schickt. Dass ich dann meine Leberwerte veröffentliche – was man ja als Künstler tun muss. Es ist schon eine Selbstbespiegelung.

? Was ein Künstler auch tun muss, wenn es nach dem Willen mancher Konzertbesucher geht, ist: die großen Hits spielen. Wie gehen Sie mit Wünschen um wie: Bitte, bitte „Brandenburg“?

! Das ist unterschiedlich. Mit dem Orchester mach ich das schon mal, weil es eine neue Version gibt. Ich habe es aber auch ganz oft gar nicht mehr gespielt oder nach der ersten Zeile abgebrochen. Ich bin ja keine Hitmaschine. Auf der anderen Seite weiß ich natürlich auch, dass die Leute deswegen kommen. Dann macht man das in den Zugaben oder verquast ein paar Sachen.

? Inwiefern haben sich denn durch Ihren höheren Bekanntheitsgrad die Umgangsformen der Fans – Stichwort Vereinnahmung – geändert?

! Sooo schlimm ist es ja jetzt nicht. Ich bin ja nicht DJ Bobo; Gibt es den überhaupt noch? Ich gebe keine Autogramme nach Auftritten, weil mir das alles zuviel ist, da hat sich nichts geändert. In den Straßen werde ich natürlich öfter mal erkannt, aber das ist alles noch im Rahmen. Das hat sich auch nicht groß gesteigert, ich kann damit ganz gut leben. Manchmal ist es unangenehm, das ist klar: Wenn man irgendwo betrunken durch die Stadt läuft, und dann wollen die Leute Autogramme oder sagen (verstellt die Stimme in höchste Höhen) ‚Hallo!‘ Ich muss mir aber noch keine Perücke aufsetzen.

? Sie zieht es in der letzten Zeit in die Theaterhäuser, wie mir scheint, beispielsweise im Mai nach Hannover.

! Hauptsächlich, ja. Jetzt bin ich gerade in Köln am Schauspielhaus und mache eine Inszenierung, ein Stück über Karneval. Wir haben gerade Aschermittwoch hinter uns und in zwei Wochen Premiere. Wir haben Feldforschung betrieben, waren überall dabei, und werden über unsere Erlebnisse ein Stück machen.

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