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Auf der Jagd nach den Big Five: Alexander Joel dirigiert Wagner

Wagneroper „Tristan und Isolde“ hat am Sonnabend um 16 Uhr Premiere im Großen Haus.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 09.10.2011

Braunschweig. „Sehr komplex, sehr anstrengend, sehr lang – aber auch tief bewegend und unglaublich schön.“ Die Wagneroper „Tristan und Isolde“ hat Sonnabend Premiere. Generalmusikdirektor Alexander Joel und seine Musiker arbeiten sich durch einen Probenmarathon; 18 Termine mit nur einem Ziel: die perfekte Linie finden.

„Ich muss eine Tempostruktur entwickeln“, sagt der Dirigent, „in meinem Kopf höre ich, wie es klingen soll.“ An dieser Vision feilt er. Wieder und wieder und wieder. Am Zusammenspiel, an der Perfektion, an der Intonation. „Es braucht sehr viel Übung, damit alles sauber klingt“, erklärt Joel, „diese Oper ist extrem schwer, besonders für die Ersten Geigen.“ Immer wieder nimmt der Chef Streichergruppen aus dem Orchester und übt mit ihnen allein. „Dann ist es leiser, die Geiger können sich besser hören, ihren Strich verändern“, erzählt er.
„Ich insistiere sehr lange“, gibt er zu und weiß, dass er damit auf einer schmalen Grenze arbeitet. „Ich darf nicht zu viel proben und nicht zu wenig, nicht zu technisch und nicht zu gefühlvoll“, sagt er. Zwischen diesen vier Eckpunkten muss er die perfekte Balance finden.
Und das klappt immer besser. „Es gibt eine schöne Vertrautheit zwischen uns“, beschreibt der Chefdirigent die Zusammenarbeit, „dies ist ein sehr gutes Orchester, es ist sehr willig, und dadurch ist es für mich einfach, mit ihm zu arbeiten“, lobt er das Zusammenspiel. Seit fünf Jahren ist Alexander Joel Generalmusikdirektor in Braunschweig, eine Zeit, die Früchte trägt. „Die Musiker erkennen mich“, erzählt er, „sie übernehmen meine Körpersprache und setzen sie in Töne um.“ Das bedeutet aber auch, dass der Chef zumindest einigermaßen entspannt sein muss, denn jede Nervosität überträgt sich auf das Orchester. Oder – wenn es ganz schlecht läuft – auch noch auf die Sänger. „Das sind hochsensible Künstler“, weiß Joel aus Erfahrung, „wenn sie verunsichert werden, schlägt das sofort auf die Stimmbänder.“
Bei einer Wagneroper geradezu ein Super-GAU. „Die Gesangspartien in ’Tristan und Isolde‘ führen an die Grenzen, sind extrem anstrengend“, beschreibt Joel, „der Tristan beispielsweise muss an die 40 Minuten am Stück durchsingen.“ Schon mancher Sänger habe sich mit dieser Rolle die Stimme ruiniert.
Da ist ein umsichtiger Dirigent Gold wert. „Ich halte während der Aufführung engen Kontakt zu den Sängern, atme mit ihnen, drossele das Tempo oder die Lautstärke, führe und begleite sie.“
Die Rücksicht auf die Sänger ist auch der Grund, warum erst jetzt – neben einer Lohengrin-Inszenierung im Mai 2008 – Wagner auf dem Spielplan steht. „Das haben wir sehr bewusst gestaltet“, sagt Joel über die Planungen zwischen ihm und dem Operndirektor Jens Neundorff von Enzberg, „weil wir ein ganz neues Ensemble formen wollten.“
Strauß und vor allem Wagner beanspruche die Sänger besonders. Jetzt aber sei die Zeit reif für mehr von beiden. „Dazu passt, dass ich gerade 40 geworden bin“, erzählt Joel lachend, „da kommt ein Dirigent in das Alter, in dem er mehr Wagner machen will.“ Die „Big Five“ der Oper – Mozart, Verdi, Puccini, Wagner und Strauß – will er spielen. Verdi und Puccini seien in den vergangenen Jahren in Braunschweig inszeniert worden, jetzt folgen Wagner und Strauß.
Aber auch Mozart will Joel noch verstärkt ins Programm heben. „Das ist wichtig für die Spieldisziplin“, erklärt er, „bei Mozart muss das Orchester perfekt sein.“
Jetzt aber erstmal „Tristan und Isolde“. Viel verlangt – von allen Beteiligten; auch vom Publikum. „Wer die Oper gar nicht kennt, sollte sich vielleicht mit einer CD ein wenig einhören“, empfiehlt Alexander Joel. Aber eine Voraussetzung sei das nicht. „Wagner war ein Genie“, schwärmt er . Die tiefen Gefühle dieser Oper würden jeden erreichen und bewegen, macht er Mut zum Opernbesuch.
„Tristan und Isolde“ hat am Sonnabend um 16 Uhr im Großen Haus Premiere.
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