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Auf der Brücke zur Hochkultur

Die wiedervereinte Band Ride um Frontmann Mark Gardener war einer der Höhepunkte im OFF-Programm. Foto: André Pause

Das OFF-Festival in Kattowitz überzeugt mit beeindruckender musikalischer Genre-Mischung.

Von André Pause, 12.08.2015.

Kattowitz. Etwas geistesabwesend aber mit funkelnden Augen steht ein Endzwanziger an der Main Stage des OFF-Festivals. Ein schlichtes „Wow!“ murmelnd verlässt er nur sehr zögerlich seinen Platz, an dem er zuvor der britischen Shoegaze-Institution Ride, dem Headliner am Samstag, gelauscht und zugejubelt hatte.

Das Best-of-Set der Band, die zuletzt Lust auf eine zweite Reunionsrunde nach 2001 verspürte und in diesen Tagen durch ganz Europa tourt, war in der Tat einer der Höhepunkte des dreitägigen Konzertprogramms auf dem ehemaligen Flughafengelände im südpolnischen Kattowitz am vergangenen Wochenende: eingängig, hymnisch und dennoch auf angenehme Art und Weise schnörkellos, präsentierten die vier mittelalten Herren ihre Songs.
Seit 2006 steht das OFF-Festival für eine aus bundesrepublikanischer Sicht beinahe tollkühn anmutende musikalische Mixtour. Eine vergleichbare Veranstaltung in Deutschland, die einheimische wie internationale Acts aus derart vielen Genres unabhängig vom Bekanntheitsgrad zu einem stimmigen Ganzen formt, gibt es in dieser Form eher nicht: Da existiert krautiger, psychedelischer Rock aus Polen (Kristen) neben Mathcore aus New Jersey (The Dillinger Escape Plan), da sorgen Bands wie die Avantgarde-Formation The Residents oder das Alternative-Trio Xiu Xiu mit ihrem von der Filmmusik zu „Twin Peaks“ dominierten Auftritt für eine stabile Brücke zur Hochkultur, und da gibt es Nischen, die Künstler wie der Neo-Folker Steve Gunn oder Mark Kozelek mit seiner Band Sun Kil Moon – beide, wie viele andere mit neuem Material im Gepäck – für sehr intime Darbietungen nutzen.
Dass sich DJ-Klänge aus den Bereichen Elektro oder House sehr gut mit bürgerlichem Hip-Hop à la Run The Jewels oder einem Mottokonzert von Patti Smith vertragen, war eine weitere Erkenntnis dieses gelungenen Wochenendes. Die beinahe siebzigjährige Punk-und-Rock-Legende präsentierte bestens gelaunt und überaus kraftvoll ihren Meilenstein „Horses“, ergänzt durch eine Interpretation des The-Who-Klassikers „My Generation“ sowie eine recht abstruse Nummer, in der die Diva die Namen zahlreicher verstorbener Mitstreiter vorträgt. Für Glanzlichter aus Schreibersicht – selbstverständlich Geschmacksache – sorgten darüber hinaus die Post-Punk-Bands Ought und Iceage sowie die DIY-Ikone Kathleen Hanna mit ihrer aktuellen Band The Julie Ruin.
Bliebe schließlich, die äußerst disziplinierte Festival-Orga hervorzuheben. So durften die Areale vor den zwei großen und zwei kleinen Bühnen beispielsweise nicht mit Getränken betreten werden. Die strikte Trennung vom übrigen Festivalgelände, auf dem neben allen möglichen Getränken und kulinarischen Köstlichkeiten auch verschiedenste Devotionalien und Tonträger angeboten wurden, sorgte für stressfreie Laufwege.
Fazit: Wer ein preiswertes, gemütliches und gut kuratiertes Festival in landschaftlich reizvoller Umgebung zu schätzen weiß, ist beim OFF genau richtig.
Eine Bildergalerie zum Festival findet Ihr auf www.szene38.de.
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