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Atmosphärisch dicht und sehr dynamisch

Regisseur Özgür Yildirim und die Darsteller seines Films „Boy 7“ Ben Münchow, David Kross und Emilia Schüle (v.l.) schrieben bei der Premiere in Braunschweig geduldig Autogramme im Foyer des C1-Kinos. Foto: André Pause

Regisseur Özgür Yildirim kam mit Schauspielern seines Films „Boy 7“ zur Premiere ins C1-Kino

Von André Pause, 19.08.2015.

Braunschweig. Ein Thriller habe es ja schon mal etwas schwerer, in der Gunst des Publikums, befand Regisseur Özgür Yildirim im Zuschauergespräch zur Premiere seines Films „Boy 7“ im Braunschweiger C1-Kino. Nimmt man den guten Besuch dieser Vorführung und die meterlange Schlange bei der anschließenden Signierstunde im Foyer als Gradmesser, dann gibt es allerdings Anlass zur Hoffnung, dass hierzulande doch nicht nur Komödien funktionieren, sondern auch starker Genrefilm-Tobak.

Ebensolcher ist Yildirim, der von seinen in Braunschweig anwesenden Darstellern Ben Münchow, David Kross und Emilia Schüle beinahe liebevoll „Öz“ gerufen wird, mit der Verfilmung des Jugendromans der Niederländerin Mirjam Mous gelungen: eine düstere, oft subjektiv und mit Kamera in Schräglage gefilmte Dystopie.
Ähnlich wie Filme der Reihe „Tribute von Panem“ zeichnet „Boy 7“ das beängstigende Szenario eines totalitären Herrschaftssystems, dass sich das Talent junger Menschen erforscht und ohne Rücksicht auf Verluste zum Zwecke der eigenen Machtmehrung zunutze macht.

Ein junger Mann (David Kross) kommt nächtens auf den Gleisen in einem U-Bahn-Tunnel zu sich. Sämtliche Erinnerung ist futsch. Dem Polizisten, der ihn festnehmen will, kann er – eben noch schwankend und schlingernd – mit geistesgegenwärtigem Körpereinsatz knapp entkommen. Eine Visitenkarte in der Hosentasche führt den Flüchtigen in ein Restaurant, wo er ein Tagebuch findet und auf eine junge Frau (Emilia Schüle) trifft, die sein Schicksal scheinbar teilt. Mit Hilfe des Tagebuches beginnt eine Reise in die Vergangenheit: Er, erfährt er in den Aufzeichnungen, ist Sam, der als verurteilter jugendlicher Hacker nicht ins Gefängnis, sondern als „Boy 7“ für eine zweimonatige Resozialisierung in das mysteriöse Internat „Kooperation X“ gesteckt wird. Dort, im Institut des etwas arglosen Direktors Fredersen (Jörg Hartmann) und seiner rechten Hand Isaak (Jens Harzer), kommt er finsteren Vorgängen und abgründigen Verschwörungen auf die Schliche.

Fazit: „Boy 7“ ist ein packender, weil atmosphärisch dichter und dynamischer Thriller mit einem starken Cast, aus dem Jens Harzer in der zugegebenermaßen dankbaren Rolle des narzisstischen, absonderlichen Schurken noch herausragt. Unbedingt sehenswert – für alle Altersklassen.
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