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„Am liebsten bin ich Regisseur“

Behinderte und nicht behinderte Schüler drehten einen Beitrag zum Filmfest „Sehpferdchen“

Von Birgit Leute, 24.02.2010

Braunschweig. „Klappe und los“. Für das Kinderfilmfest „Sehpferdchen“ vom 27. Februar bis 2. März (die nB präsentiert und berichtete) griffen elf Braunschweiger Schüler selbst zu Kamera und Mikro. Das Besondere: Ein Teil der Jugendlichen ist gehörlos.

Sie sind Schüler des Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte und drehten gemeinsam mit Kindern der Freien Schule den Vorfilm zum Beitrag „Babak“ – die Geschichte eines körperbehinderten Jungen im Iran. Eine Herausforderung für beide Seiten.
„Mit Tauben einen Film zu drehen – geht das überhaupt?“. Die Zweifel bei den Acht- und Neunjährigen der Freien Schule waren zunächst groß. „Zuerst dachte ich: Wenn die nicht hören können, wie soll man sich dann verständigen?“, erzählt Djamila von ihrer anfänglichen Scheu. Doch dann merkte die Neunjährige bald: Ihre Filmpartner wussten genau, was sie sagen wollte, „ich musste sie nur ansehen und deutlich sprechen.“
Wie ihre Mitschüler hatte sie „Babak“ gleich berührt. „Nur weil er behindert ist, wird Babak eingesperrt. Das hat mich sehr wütend gemacht“, fasste der 16-jährige Nico vom Landesbildungszentrum seinen Eindruck von dem iranischen Film zusammen. Die Schüler entschieden sich deshalb, ihren Alltag im Zentrum zu zeigen – als Beispiel, das Mut machen und zeigen soll: Seht her, Gehörlose lernen wie „normale“ Menschen.
Medienpädagogin Heike Eberius begleitete die Kinder bei der Produktion und brachte ihnen eine der wichtigsten Lektionen bei: Beim Film ist Geduld gefragt. „Eine Szene ist nicht gleich beim ersten Dreh im Kasten. Sie muss oft wiederholt werden, und nur die beste Version ist später im Film zu sehen“, erklärte sie den Jugendlichen, wenn diese bei der zehnten Klappe anfingen zu murren. Dennoch: Die jungen Kameramänner, Tontechniker und Regisseure waren mit Begeisterung bei der Sache. „Am allerliebsten bin ich Regisseur“, sagte Djamila mit glänzenden Augen. Und Nico schmiedete schon Zukunftspläne. „Eigentlich wollte ich Fußballer werden, aber jetzt denke ich, Schauspieler zu sein ist auch nicht schlecht.“
Der Vorfilm und der Film „Babak“ laufen am 28. Februar um 12.30 Uhr im Cinemaxx und am 1. März um 9 Uhr im Roten Saal des Schlosses. Gefördert wurde das Integrationsprojekt von der Kroschke Stiftung.
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