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„Am Anfang bin ich ganz allein“

Regisseur Robert Lehmeier im nB-Gespräch über seine Arbeit für die Oper Turandot.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 24.08.2011.


Braunschweig. „Am Anfang bin ich ganz allein mit der Musik, idealerweise mit einem Glas Wein in der Hand und dem Blick zum Mond“ – Regisseur Robert Lehmeier spricht vom Beginn seiner Inszenierungen. In diesem Fall von Turandot.

Seine Prinzessin Turandot ist eine schwierige Frau, die sich und anderen das Leben zur Hölle macht. „Ihre persönlichen Probleme verkauft sie dabei als staatstragend“, sagt Lehmeier, „eine getriebene Frau an der Spitze der Macht in einem totalitären System.“ Dementsprechend schroff seien weite Passagen der Musik. Als Gegenpol gibt es die lyrisch-sanfte Figur der Liù, „das ist Puccini wieder ganz bei sich.“
Lehmeier hatte sich bereits in den vergangenen zwei Jahren die Burgplatz-Opern angesehen, er wusste, um was es geht, als Generalintendant Joachim Klement den frei arbeitenden Regisseur anfragte. „Turandot ist ein extremes Stück“, sagt Lehmeier, „die größte Choroper Puccinis, ein Riesenorchester, dazu musikalische Raffinessen durch fernöstliche Akzente.“
Der Vorteil der Inszenierung auf dem Burgplatz sei der Ton, erzählt der Regisseur. Da die Sänger über Mikrofone verstärkt werden, kann er seine Figuren frei bewegen. „Wenn ich die Turandot auf eine klassische Bühne bringe, muss ich die Sänger vorn an der Rampe positionieren, damit sie über die Klangteppiche von Orchester und Chor hinwegkommen“, erklärt er.
Das ist jetzt leichter. Schwieriger dagegen sei die Regie für den riesigen Chor gewesen. „Vor allem durch das Licht haben wir Ruhe und Struktur in die Arena gebracht“, erklärt Lehmeier. Geschickt gesetzte Beleuchtung verstärkt die Szenen, die Chorsänger in Männeranzügen betonen den Konflikt, dass Turandot allein in einer Männergesellschaft steht.
Die Proben seien anstrengend gewesen, „passend zum Stück“, sagt der Regisseur und grinst. „Jedes neue Haus muss erobert werden“, erzählt er von der Arbeit mit dem Theaterteam. Der Umgangston sei wichtig – und Respekt. So hat er sich zu Beginn der Proben die Namen der rund 80 Chormitglieder und Fotos dazu geben lassen, damit er möglichst alle Mitwirkenden persönlich ansprechen kann.
Was ihm für eine wirklich perfekte Oper fehlt, ist die Übertitelung. „Leider ist so eine Installation zu teuer für den Burgplatz“, sagt Lehmeier, „aber gerade bei der Turandot ist der Text extrem wichtig: Es gibt sarkastische, politische und witzige Dialoge.“ Deshalb empfiehlt er mindestens die Inhaltsangabe im Programmheft zu lesen oder – noch besser – sich den Text vorab zu besorgen.
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