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Als der Fußball politisch wird

Nils Burgdorf (Fanbeauftragter Eintracht Braunschweig), Regisseur Olli Waldhauer, Co-Produzentin Tanja Georgieva und Fanprojektleiter Karsten König unterhielten sich nach dem Film. Foto: Pause

Regisseur Olli Waldhauer stellte seine Fußballdoku „Istanbul United“ im Universum-Kino vor.

Von André Pause, 16. Januar 2015.

Braunschweig. Wenn es überhaupt noch eines Beispiels bedurfte, welche Kräfte der Fußball durch sein Fan-Umfeld zumindest temporär freisetzen kann: Die Dokumentation „Istanbul United“ liefert es auf vortreffliche Art und Weise. Zu sehen war sie jetzt im Universum.

Regisseur Olli Waldhauer und Co-Produzentin Tanja Georgieva haben ihren Film, der innerhalb kürzester Zeit entstanden ist – vom ersten Drehtag bis zur Premiere vergingen nur zehn Monate – jetzt in Kooperation mit dem Fanprojekt Eintracht Braunschweig im fast ausverkauften Universum-Kino vorgestellt.
Die 87-minütige Arbeit bebildert das Umfeld der Ultras der Istanbuler Fußballclubs Galatasaray, Fenerbahce und Besiktas. Die Supporter der Teams gelten gemeinhin als unvereinbar. Nicht selten endet die gegenseitige Rivalität in gewalttätigen Auseinandersetzungen, zahlreichen Verletzungen und vereinzelten Todesfällen. Umso erstaunlicher, dass im Sommer 2013 im Rahmen der Proteste gegen die türkische Regierung um den ehemaligen Ministerpräsidenten und jetzigen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im Gezi-Park und dem Taksim-Platz alle gemeinsam für eine Sache einstehen. Unter dem Namen „Istanbul United“ kämpfen sie Seite an Seite gegen das herrschende politische System.
Filmisch ist „Istanbul United“ zweigeteilt. Der erste Teil erzählt über jeweils einen langjährigen Fan einer der Mannschaften die Lage der Kurven in Istanbul, der zweite dokumentiert unter Zuhilfenahme von reichlich Handy-Footage-Material die Geschehnisse während der Proteste im vergangenen Jahr. Seine Protagonisten hat Regisseur Waldhauer vornehmlich über das Internet gefunden, vor Ort zeigte die Mund-zu-Mund-Propaganda auf der Straße Wirkung.
„Der Film spielt mit den Emotionen, die im Fußball da sind. Die Ausprägungen, was das Fandasein betrifft, wie die Fans das leben, sind hier natürlich besonders“, findet Fanprojektleiter Karsten König. „Man sieht, wie stark die Ultra-Kultur zusammenhält.“ Politische Meinungsäußerung im Fußball sei insgesamt ja noch relativ neu.
Und so hält vor allem der zweite Teil des Films Gänsehautmomente bereit. Die Kurvenschau des ersten Teils dagegen ist doch recht ordinär. Doch auch dieses Material sollte seine Fans finden.
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