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Als aus Fotos Kunst wird

André Gelpkes „Tabu“ aus Serie „Sex-Theater“. Foto: Gelpke

Das Photomuseum zeigt zum 30-jährigen Bestehen Autorenfotografie.

Von André Pause, 27.04.2014.

Braunschweig. „Schöne neue BRD?“ so heißt, angelehnt an Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“, die Ausstellung zum 30-jährigen Bestehen des Museums für Photographie.

Insgesamt elf Positionen der Autorenfotografie aus den 80er Jahren sind bis zum 29. Juni in den Torhäusern an der Helmstedter Straße zu sehen.
Die 80er Jahre – sie markieren das letzte Jahrzehnt des Kalten Krieges. Sie stehen aber auch für einen allmählichen Umbruch in der Kunstlandschaft hierzulande. Die Fotografie, in den USA zu dieser Zeit längst selbstverständlicher Bestandteil des Betriebes, ist in der Bundesrepublik sukzessive dabei, sich Terrain zu erkämpfen: in öffentlichen Sammlungen und durch Präsenz in Museen. Die Gründung des Braunschweiger Museums für Photographie am 2. Mai 1984 fällt in diese letzte Dekade der weltpolitisch verhärtenden Fronten. Die Themenausstellung zum jetzigen Zeitpunkt verpflichte sich der Geschichte des Hauses als Ort der zeitgenössischen Kunst, erklärt Museumsleiterin Gisela Parak.
Zu sehen sind Werke von Künstlern, die – ausgehend von der Mediendocumenta 6 im Jahr 1977 – die Verankerung der Fotografie in der Wahrnehmung als künstlerisches Ausdrucksmittel entscheidend vorangetrieben haben. Eine aufwendige Recherchearbeit, wie Parak betont, da die Fotografen, sofern sie überhaupt noch leben, nicht nur in ganz Deutschland verstreut wohnen, sondern weltweit zuhause sind.
In den Torhäusern wird der Ausschnitt einer Epoche gezeigt, zahlreiche weitere Künstler wären für diese Ausstellung infrage gekommen, und auch das Werk der Ausgewählten wollte behutsam selektiert werden.
Ein Raum ist mit Arbeiten von Hartmut Rosen aka Aginmar – gemeinsam mit Fotografin Ute Karen Walter sowie Künstler und Kunsterzieher Axel Dick Initiator des Museums – bespielt. Seine Fotografien aus Braunschweig und der Region zeigen die (uniformierte) Gesellschaft der 70er und 80er Jahre, Menschen aus verschiedenen (politischen) Spektren. Auffällig ist, dass sich die Mode der konservativen Bürgerlichkeit doch sehr von deren heutigem Schick unterscheidet, während bei Alternativen oder Punks die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Ein ebenso situativer Zugriff auf das Motiv Mensch, wenn auch unter anderen Vorzeichen und mit abweichendem Umfeld zeigt sich in den Bildern von Roland Kopp (Landjugend), Hans-Martin Küsters (Schützengesellschaft), Gabriele und Helmut Nothhelfer (Menschen in Berlin) sowie André Gelpke (Sexarbeit und Varieté).
Für sichtbar mehr Inszenierung haben sich dagegen Michael Schmidt und Wilfried Bauer entschieden. Es sind die wohl spannendsten Arbeiten der Schau. Schmidt porträtiert Menschen aus dem Berliner Wedding in privaten und beruflichen Augenblicken. Seine Bilder wirken wie schablonenhafte Montagen. Die abgebildeten Menschen scheinen sich vom Hintergrund förmlich loszusagen. Wilfried Bauer schließlich pflegt einen zum Teil tunnelblickartigen Fokus auf den Baum als solitär Überlebenden im Stadtraum. Die dargestellte Entfaltung in der Nische hat durchaus etwas Tröstliches – und Symbolisches: Die Selbstbehauptung der Fotografie in der Kunst ist der des Baumes im urbanen Sektor zumindest nicht unähnlich.
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