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„Alles, was du brauchst, ist ein Blatt Papier“

Thomas Grigoleit ermutigt andere, selbst mal wieder zum Pinsel zu greifen und entdeckte dafür das „Malspiel“ des Franzosen Arno Stern

Von Birgit Leute, 07.04.2010

Braunschweig. Thomas Grigoleit ist ein leiser Typ. Einer, der sich lieber im Hintergrund hält und von dort aus sanft, aber bestimmt dirigiert. Der 52-jährige Maler hat eine neue Form gesucht und auch gefunden, um andere für die Kunst zu begeistern: Das Malspiel.

Verschmierte Farbe, kleksende Pinsel, flüchtig hingeworfene Skizzen – Fehlanzeige. In den Räumen Thomas Grigoleits im Braunschweiger Künstlerhaus herrschen Ruhe und eine fast penible Ordnung. Meterhohe Stellwände schirmen das Tageslicht ab, verwehren den Blick aus dem Atelier auf die Welt „da draußen“. „Das stört nur die Kreativität“, sagt Grigoleit.
Vor drei Jahren entschloss er sich, nicht nur Maler zu sein, sondern auch Mittler. Sein Ziel: Den Menschen – egal welchen Alters – die Freude am Malen wiederzugeben. Bei einer Tasse Kaffee, die Beine übereinandergeschlagen, erklärt er seine Philosophie. „Als Kind gelingt es uns noch, frei zu malen. Ohne Hemmungen, ohne Scham. Später, wenn wir Noten bekommen und mit der ganzen Kunstgeschichte konfrontiert werden, schwindet meist nicht nur die Kreativität, sondern auch die Lust am Malen“, sagt Grigoleit.
Was Kunstunterricht manchmal anrichtet, hat er selbst erfahren – ein Grund, warum der studierte Pädagoge nie in den Staatsdienst gegangen ist und lieber noch Malerei und Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste studierte. „Jugendliche zu etwas bewegen zu müssen, was sie eigentlich nicht wollen – das lief mir zuwider. Für mich war Malerei immer die schönste Sache der Welt.“
Viele Jahre lang suchte der nachdenkliche Mann mit der goldumrandeten Brille und der leisen Stimme nach einem anderen Weg. Und stieß schließlich auf das Malspiel des Franzosen Arno Stern. „Alles, was du brauchst ist ein Blatt Papier, ein Pinsel und Ungestörtheit“, sagt dieser. „Zurück zu den Anfängen“, nennt es Grigoleit.
Einmal in der Woche stellt er 90 Minuten lang, über ein halbes Jahr oder viel länger seine Räume zur Verfügung. Wer kommt, streift sich einen der bereit liegenden Kittel über und legt los. „Das Malspiel ist keine Kunstschule, ich bin kein Lehrer“, stellt Grigoleit klar. Im Malspiel kann jeder malen, was er will. Er wird nicht korrigiert, die Bilder später nicht besprochen. „Das einzige, was zählt, ist die Freude am Malen“, sagt Grigoleit und zeigte auf die Bilder seiner „Malkinder“ an den braunen Holzwänden.
Malen wie damals am Küchentisch? Grigoleit nickt. „Ein bisschen ist es so“, sagt er. „Wir sind so fremdbestimmt in der heutigen Welt. Alles lässt sich bereits fertig im Laden kaufen. Doch in dem Moment, wo ich meine eigene Spur hinterlassen darf, passiert etwas – mit mir und mit der Umgebung“, ist er überzeugt.
Um anderen die Möglichkeit zu geben, ihre „Spur“ zu hinterlassen, ist Grigoleit gerne bereit als Maler zurückzutreten, beschränkt sich auf Handreichungen. Versetzt hier einen Reißnagel, reicht dort etwas Wasser, füllt frische Farbe nach. Auf seine freundliche und zurückhaltende Art schafft er Regeln in diesem Spiel, ohne einzuengen. „Mein Wissen und meine Erfahrung als Maler in dieser Form weitergeben zu können, macht mir Freude“, sagt er.
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