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Alle lieben Pippi – zu Recht

Annika (Anja Signitzer, l.), Pippi (Annika Ullmann) und Tommy (Ravi Marcel Büttke) haben einen „Spunk“ gefunden. Kostüme und Kulisse verdienen einen Extra-Applaus. Foto: Volker Beinhorn

Modern und trotzdem vertraut: Weihnachtsmärchen des Staatstheaters sprüht vor Fantasie.

Von Marion Korth, 09.11.2013. Braunschweig. Keine feine Robe, dafür geringelte Socken und T-Shirts, bunte Kleidchen, jede Menge Zöpfe und dazu noch mindestens zwei Pippi-Langstrumpf-Puppen: So ausgerüstet strömten gestern die Besucher zur Premiere von „Pippi Langstrumpf“, dem diesjährigen Weihnachtsmärchen, ins Große Haus des Staatstheaters.

Die Spannung war förmlich mit Händen zu greifen, viel zu lang war die Zeit, bis sich der Vorhang endlich hob und Regisseur Philippe Besson sein liebevoll ausgesuchtes Schauspielerensemble – allen voran Annika Ullmann als Pippi und Andreas Dziuk als Affe Herr Nilsson – ein Füllhorn der Einfälle auspacken ließ. Episodenhaft, so wie die Vorlage von Astrid Lindgren angelegt ist, hat Besson auch das Theaterstück gegliedert, vom Kennenlernen mit Annika (Anja Signitzer) und Tommy (Ravi Marcel Büttke) bis hin zu Pippis erstem (und einzigem) Schulbesuch. Trotzdem ist es keine reine Nacherzählung, Überzeichnungen und zeitgemäße Einsprengsel (sehr witzig die beiden Polizisten Martin Winkelmann und Luis Lüps) sowie die rhythmusbetonte, eigentlich sehr moderne und dennoch kindgerechte Musik liefern immer wieder Überraschungsmomente.
Den ersten Applaus gibt es ziemlich schnell und hochverdient für Bühnenbildnerin Henrike Engel. Die Kulisse der Villa Kunterbunt ist, wie ihr Name verspricht, traumhaft verspielt. Verspielt wie Pippi Langstrumpf und das ganze Stück. Manchmal ist es schwierig, den Überblick zu behalten, so viel passiert im Vordergrund und variiert im Hintergrund: Das Hündchen, das eben noch an die eine Ecke pinkelte, steht im nächsten Bild an einem ganz anderen Zaun, und das Äffchen sitzt mal als Stofftierchen auf Pippis Schulter oder steht singend in Menschengröße mit ihr auf der Bühne. Es ist ein genialer Kunstgriff, wie der Größenwechsel funktioniert: Das Puppenbettchen, in dem Herr Nilsson hoch oben in der Villa kunterbunt schläft, steht – wie eine Szenerievergrößerung – noch einmal am Rand der Bühne, dann mit Andreas Dziuk drin.
Schwierig zu sagen, wer den meisten Applaus verdient hat, sicher Annika Ullmann, wegen ihrer beredeten Körpersprache, und weil sie der Figur der starken Pippi gerade in den leisen Szenen Tiefe gibt, herausragend auch Anja Dreischmeier (Frau Prysselius und Lehrerin). Schade, dass zum Schlussapplaus nicht auch das Pferd, der große Onkel, auf die Bühne kam, er hätte bestimmt nicht nur von mir einen Sonderapplaus erhalten. Fazit des älteren Herrn auf dem Nebenplatz: „Wunderbar, so etwas Schönes habe ich lange nicht gesehen.“ Wohl wahr. „Pippi Langstrumpf“ darf im vorweihnachtlichen Familienprogramm nicht fehlen. Die Altersempfehlung für Kinder ab sechs Jahren ist klug gewählt.
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