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Albträume und kleine Fluchten

Das Tagebuch der Anne Frank – Premiere in der Reihe „Junge Oper“ des Staatstheaters.

Von Christoph Matthies, 31.10.2010.


Braunschweig. In der Reihe „Junge Oper“ des Staatstheaters feierte am Donnerstag „Das Tagebuch der Anne Frank“ Premiere – und bot eine ungewöhnliche und lohnende Annäherung an die berühmten Holocaust-Erinnerungen.

Mehr als zwei Jahre lang lebte Anne Frank gemeinsam mit ihrer und einer weiteren Familie versteckt in einem Amsterdamer Hinterhaus, ehe der Unterschlupf im August 1944 verraten wurde. Das jüdische Mädchen starb wenige Wochen vor Kriegsende an einer Typhus-Infektion im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Ihre Tagebuchaufzeichnungen aus der Zeit im Versteck hingegen überlebten und sind längst ein Stück Weltliteratur.
Neben einigen – zum Teil oscarprämierten – Leinwandumsetzungen fanden die bewegenden Notizen auch den Weg auf die Bühne. Der russische Komponist Grigori Frid schuf 1972 eine rund einstündige Oper für eine Sängerin, deren Libretto aus insgesamt 21 unveränderten Einträgen des Tagebuchs besteht. Eine ungewöhnliche Herangehensweise an den Text, die, wie man bei der Premiere am Donnerstag im Haus Drei des Staatstheaters feststellen konnte, durchaus funktioniert.
Begleitet von einer kleinen Instrumentierung aus Kontrabass, Klavier und Schlagzeug agiert die israelische Sopranistin Moran Abouloff in der Rolle der Anne. Die Musik kreiert in zumeist düsteren Klangfarben eine Atmosphäre aus Angst und Bedrohung, nur selten unterbrochen durch kleine Fluchten in Leichtigkeit und Normalität, die dem unverbrüchlichen Optimismus des Mädchens entspringen.
Abouloff agiert, der Enge des Verstecks trotzend, erstaunlich körperlich und mit starker Stimme, wenn auch für das junge, ungeübte Opernohr nicht immer ganz leicht verständlich.
Rollende Schränke, gleichermaßen hilfreiche Verstecke und dunkle Orte lauernder Gefahren, spielen ein eigenes Spiel, erschaffen klaustrophobische Albträume, aber auch kurzzeitige Befreiung. Hinter ihnen warten schwarze Schatten, überall lauern Bedrohung, Verrat, Polizei und Gestapo.
So gestaltet sich die Inszenierung, trotz der vermeintlichen räumlichen Einschränkung, komplex, spannend und wirkungsvoll.
Für die Vorstellungen am 1. und 2. November gibt es Restkarten an der Abendkasse. Weitere Aufführungstermine sind am 4. und 6. November sowie im Dezember.
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