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Aida: Fast schmerzhaft aktuell

Brillante Premiere: Die Geschichte aus dem Alten Ägypten wird in heutiger Lesart erzählt

. Von Ingeborg Obi-Preuß, 30.09.2012

Braunschweig. 5000 Jahre – und nichts gelernt: Kriegstreiberei, Nationalismus, Fremdenhass. Konstanze Lauterbach inszeniert ihre „Aida“ beklemmend aktuell.
Liebe und Glaube in allen Facetten beherrschen die Geschichte, vor allem aber die Ungeheuerlichkeiten, die Menschen im Namen von Liebe und Glaube anderen Menschen antun.

Die Verdi-Oper handelt von der äthiopischen Prinzessin Aida, die in Ägypten als Sklavin gehalten wird, sie liebt den ägyptischen Heerführer Radames – eine durch den Krieg beider Völker unmögliche Liebe.
In Konstanze Lauterbachs Inszenierung ist die Zeit der Pharaonen nur Beispiel, die Themen der Oper – Gewalt, Krieg, Religion und Tod – nach wie vor höchst aktuell: Videos von Kindersoldaten und Kriegsszenen machen das fast schmerzhaft spürbar. Die Geschichte aus dem Alten Ägypten wird stoffgetreu in heutiger Lesart erzählt. Beklemmend, die scharf gezeichneten gegensätzlichen Positionen: Unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Glaubensrichtungen und dazu Vertreter, die jeweils überzeugt davon sind, dass ihre Position die einzig richtige, die von Gott gewollte ist. Schaurig.
Die Bühne von Hans-Martin Scholder ist schlicht; intensive Farben und einige Kakteen lassen Wüste, Sand und Süden fühlen, wenige Symbole stehen für religiöse Aussagen.
Irina Rindzuner singt mit ergreifendem Sopran und spielt die Zerrissenheit der Aida, die den Feind Radames liebt und sich doch nach ihrem Vaterland sehnt. Yanyu Guo ist eine vor Eifersucht rasende Amneris mit glasklarem Mezzosopran und starker Darstellung. Arthur Shen spielt mit vollem Körpereinsatz, sein kraftvoller Tenor überzeugt durchweg, Selcuk Hakan Tirasoglu mit seinem starken Bass ist ein eindringlicher Oberpriester Ramphis.
Chor und Extrachor unter der Leitung von Georg Menskes sind an diesem Abend ebenfalls Hauptdarsteller. Strahlkräftig und höhensicher meistern sie die Massenszenen, das Ensemble verzaubert mit fast nach innen gerichteten Tempelgesängen. Dem Staatsorchester unter der Leitung von Jonas Alber gelingt es, die hochdramatische Oper sensibel, und dynamisch höchst beweglich zu spielen, perfekt meistern sie eine Fallhöhe von höchst bedrohlich zu jenen lyrischen Passagen, die so sehr ans Herz gehen.
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