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Achtung: Kein Abend für schreckhafte Gemüter

Wer führt hier was im Schilde? George (Egon Brennecke, l.) ist spezialisiert auf Schauergeschichten und Jane (Michaela Schaffrath) gruselt es schon beim Zuhören. Nur Greg (René Oltmanns) bleibt gelassen. Foto: imagemoove/oh

Florian Battermann inszeniert in der Komödie am Altstadtmarkt bis zum 22. November Peter Colleys Thriller „Gänsehaut“ – Starkes Ensemble.

Von André Pause, 21.10.2016.

Braunschweig. Allzu schreckhaft sollten Besucher nicht sein, wenn Sie sich den von Florian Battermann übersetzten und inszenierten Peter-Colley-Thriller „I’ll Be Back Before Midnight!“, in der deutschen Fassung „Gänsehaut“, in der Komödie am Altstadtmarkt zu Gemüte führen wollen. Es knallt und spukt bisweilen nämlich ganz abrupt und gewaltig auf der Bühne im Haus in der Gördelinger Straße.

Während die Besucher gleich zu Beginn rätseln dürfen, warum der, wie es scheint, grundgute Greg (René Oltmanns) seine frisch aus der Psychiatrie entlassene, immer noch reichlich labile Frau Jane (Michaela Schaffrath) zur anschließenden Erholung ausgerechnet in das wohl entlegenste Bauernhaus weit und breit verschleppt, holt der schroffe Gasthaus-Vermieter George (Egon Brennecke) mit whiskygetränkter Reibeisenstimme auch schon zu einem kaum enden wollenden Reigen an Horrorgeschichten aus: ein nicht aufgeklärter Mord hier, ein flüchtiger Leopard in freier Wildbahn da und so weiter.

Dass allein das der Genesung seiner Gattin nicht zuträglich sein dürfte, müsste Greg doch eigentlich erkennen. Warum um Gottes willen lädt er dann auch noch seine von Jane misstrauisch und unsicher beäugte Stiefmutter Laura (Christiane Rücker) ein, die darüber hinaus sogar noch mehr zu sein scheint als eben jene? Der sich trotz einiger Schreckensschauer, die den Zuschauern über die Rücken laufen, gemächlich entwickelnde Plot nimmt noch vor der Pause Fahrt auf: Die Stromausfälle im Haus nehmen zu, und eine der beteiligten Personen wird mit dem Schrotgewehr erschossen. Wer hier warum genau welches Spiel spielt, bleibt dennoch lange Zeit verborgen, auch, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Spuk eben doch ein Hirngespinst der am Rande zum Wahn wandelnden Jane ist. Gegen Ende wird das Stück dann zur Babuschka-Puppe: Ständig schlüpfen neue Erkenntnisstände. Bis endlich alles klar ist – und nur eine Figur überlebt.

Fazit: „Gänsehaut“ ist ein durchaus spannender, gut unterhaltender, weil gut gemachter Theaterabend. Das Ensemble schärft die Konturen der klar gezeichneten Rollen auf sehr angenehme, dezente Art und Weise. Das Glas schwappt nicht über. Freundlicher Applaus im vollen Saal. Weitere Infos: www.komoedie-am-altstadtmarkt.
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