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21. Jahrhundert trifft auf fürstliche Pracht

Hinter dieser Tür gehen einem Herz und Augen auf: Museumsdirektor Dr. Jochen Luckhardt, Dr. Regine Marth (Mitte) und Dr. Martina Minning machten auf die neue Präsentation der Skulpturen und Werke der angewandten Kunst neugierig. Fotos: T.A.
 
Kein Aquarium: Die 8,5 Meter lange Vitrine, in der barocke Tischkultur inszeniert werden soll, ist eine Spezialanfertigung fürs Herzog-Anton-Ulrich-Museum.

Herzog-Anton-Ulrich-Museum erfindet sich neu: Nach sieben Jahren der Sanierung Zielgerade erreicht – Im Herbst ist die Neueröffnung.

Von Marion Korth, 09.04.2016.

Braunschweig. Schwefelgelb, Himmelblau, Purpur – und dazwischen als verbindendes Element, als farbliche und auch räumliche Konstante ein erdiges Braungrau an Türlaibungen, Vitrinen und Podesten.

„Nächste Woche räumen wir die Exponate ein“, sagt Dr. Jochen Luckhardt, Direktor des Herzog-Anton-Ulrich-Museums. Bis dahin dürfen sich die Farben in den Vordergrund spielen, danach werden sie als optische Klammer Themengebiete umfassen, voneinander trennen, Stimmungen erzeugen und die Räume so unverwechselbar machen, wie es der Kunst darin gebührt.

Farbig, aber nicht bunt

Die Farben fallen beim Rundgang sofort ins Auge, aber es ist so viel mehr, das sich hinter dem Bauzaun an der Museumsstraße getan hat. Lange genug hat es gedauert, das Herzog-Anton-Ulrich-Museum ist seit Herbst 2009 geschlossen. Am 22. Oktober soll nun der große Tag sein. Nicht der der „Wiedereröffnung“, sondern der der „Neueröffnung“, betont Luckhardt. Über Monate und Jahre ist das Museum mit seiner herausragenden Kunst- und Gemäldesammlung ins 21. Jahrhundert katapultiert worden. Es ist die größte Kulturbaumaßnahme des Landes Niedersachsen, die sich ihrer Vollendung nähert. Die Dauerausstellung im zweiten Stock mit ihren Kunstwerken der Skulptur und angewandten Kunst soll den Blick auf die Fürsten der Neuzeit klären. Und da gibt es so viel mehr zu entdecken als „Prunk und Protz“. Das Kapitel der Herrschaftsrepräsentation wird vor purpurnen Wänden aufgeschlagen, die Darstellung des Fürsten hoch zu Ross ist nicht so weit entfernt von heutigem Statusgebaren, das seinen Ausdruck im modernen Markenbewusstsein findet. Und lange vor Erfindung von Fernseher und Smartphone sorgten die Darstellungen auf kunstvollen Tafelaufsätzen als Stichwortgeber für eine kultivierte Unterhaltung. Der Ball zwischen barocker Weltsicht und Moderne wird hin- und hergespielt. Der Besucher kann – ausgerüstet mit einem tragbaren Computer – tief und tiefer in die Kunstgeschichte eintauchen und Bezüge entdecken.

Barocke Tischkultur

Eine fürstliche Tafel wird nicht gedeckt im neuen Museum – eine 8,50 Meter lange Vitrine, eine Spezialanfertigung, deren Glashaube mittels Scherenträgern auf Knopfdruck angelupft werden kann, ist hier das Glanzstück zeitgenössischer Museumspräsentation. Das Architekturbüro Kuehn Malvezzi aus Berlin hat den Gesamtparcours durch 14 Räume geführt, die Vitrinen passend zu den Exponaten entworfen, sodass gar eine Schatzkammer, in der die Münzensammlung des Museums glänzen kann, entstanden ist. Der Museumsbau wird an herausragenden Stellen immer wieder selbst zum Ausstellungsstück.

Ein neuer Blick

Das Mantuanische Onyxgefäß aus der Antike – von der Bedeutung her Braunschweigs „Mona Lisa“ – hat seinen Podestplatz sicher, andere wie zwei Vitrinenschränke kommen erst jetzt hinzu, um barocke Tafelkultur mit zu inszenieren. Fürs gesamte Haus wurden 4000 Objekte ausgesucht. Der komplette Umbau des Museumsbaus ist eine Art Neuanfang. „Er barg die Chance, die Dinge noch einmal neu zu entdecken“, sagt Dr. Regine Marth, Leiterin der Abteilung für Skulpturen und außereuropäische Kunst.
Auf das neue Denken und das neue Entdecken dürfen sich die Museumsbesucher freuen. Die Vorbesichtigung am Donnerstag hat neugierig gemacht …
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