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1914: So fern – so nah

Ein Blick, der unter die Haut geht. Das Plakat zur Ausstellung: Ein junger Soldat im Schützengraben.

Ausstellung im Landesmuseum nähert sich mit weitem Ansatz der „Urkatastrophe“.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 03.08.2014.

Braunschweig. „Bisweilen erfasst mich ein innerer Ekel vor diesem grässlichen Männermorden“ – schreibt der Wolfenbüttler Richard Adam im Herbst 1914 in einem Brief von der Westfront an seine Freundin. Wenige Tage später fiel der 23-jährige Lehrer in Reims. Die Ausstellung „1914 – Schrecklich kriegerische Zeiten“ erinnert auch an ihn.

100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges zeigt das Landesmuseum die „Urkatastrophe“ und was daraus geworden ist in einer Ausstellung, die sehr nah am Menschen bleibt. „Wir zeigen die Sichtweise der einfachen Soldaten, ihrer Familien und ihrer Nachfahren“, sagt Museumschefin Dr. Heike Pöppelmann. Bis in die Gegenwart.
Die Kuratoren Wulf Otte, Ole Zimmermann und Dr. Christina Erkelenz folgen den Spuren der drei Braunschweiger Regimenter, dokumentieren das Versagen von Politik und Diplomatie, den Kriegsverlauf und das Leben zu Hause.
Die Begeisterung, die Niederlage, der revolutionäre Umbruch 1918/19, das Totengedenken in Deutschland und Europa, der Kampf der politischen Linken, der mühsame Weg vom „Erbfeind“ bis zur Deutsch-Französischen Freundschaft wird ebenso thematisiert wie eine polarisierende Erinnerungskultur, in der die Drastik und Dramatik des Krieges immer weiter zurück tritt. Ein Nährboden, den die Nationalsozialisten für sich zu nutzen wussten.
Im Mittelpunkt der einzelnen Kriegsjahre stehen unbekannte Soldaten aus dem Braunschweiger Land. Die Schützengrabeninszenierung vermittelt einen unmittelbaren Raumeindruck vom grausamen und zermürbenden Alltag an der Front. Parallel dazu wirft die Ausstellung einen Blick auf die Situation in der Heimat, Bezugsscheine dokumentieren die strenge Rationierung, der „Rübenwinter 1917/18“ ist ein Beispiel für die zum Teil katastrophale Versorgungslage der Zivilbevölkerung. 700 Einzelobjekte sind zu sehen, mehr als ein Drittel sind Leihgaben aus Privatbesitz, mit den Leihgebern haben die Kuratoren eng zusammengearbeitet. So gibt es viele Einblicke in sehr private Erfahrungen und Familiengeschichten. Ein Beispiel: eine Dose mit dem Fußpulver „Marsch-Marsch.“ Ein deutsches Produkt – die Informationen darauf sind in drei Sprachen verfasst, der Preis in drei Währungen angegeben – ein cleverer Hersteller. Die Ausstellung „1914 – Schrecklich kriegerische Zeiten“ im Landesmuseum ist bis zum 25. Januar zu sehen. Der Eintritt kostet sechs Euro, ermäßigt vier Euro, Kinder zwei Euro. Es gibt auch Familientickets. Öffentliche Führungen (die unbedingt zu empfehlen sind) gibt es sonnabends um 14 Uhr, sonntags um 11.30 Uhr und um 14 Uhr. Alle Infos unter www.landesmuseum-braunschweig.de
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