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11 Tage für Theater, Musik und bildende Kunst

Die Multimedia-Inszenierung „Ten Thousand Tigers“ ist eine von insgesamt sieben Produktionen aus dem Raum Ost- und Südostasien. (Foto: The Esplanade Theatre Studio_K)
 
Toshiki Okadas Emanzipationsdrama „God Bless Baseball“ eröffnet im Kleinen Haus das Theaterformen-Festival 2016. (Foto: Kikuko Usuyama)

Vom 9. bis zum 19. Juni präsentiert das Festival Theaterformen in Braunschweig rund 90 Veranstaltungen – Schwerpunkt Ost- und Südostasien

Von André Pause, 14.04.2016

Braunschweig. Gastspiele aus Bangkok, Kuala Lumpur, Seoul, Singapur und Tokio hat Leiterin Martine Dennnewald für die 17. Auflage des Theaterformen Festivals nach Niedersachsen eingeladen. Mehr als die Hälfte der Stücke im Programm kommen somit aus den Metropolen Ost- und Südostasiens vom 9. bis zum 19. Juni nach Braunschweig.

„Die Theaterformen haben sich im Laufe der Zeit immer wieder neu aufgestellt. Ich freue mich auf die künstlerischen Impulse des Festivals, das mit dem Schwerpunkt Südostasien Aufführungen bündelt, wie es das in dieser Dichte seit Jahren nicht gegeben hat. So viel Welt war selten. Es gibt viele Gründe neugierig zu sein“, sagte Staatstheater-Generalintendant Joachim Klement.

Ihr gehe es um die Auffächerung eines kulturellen Raumes, der bisher nur in Schlaglichtern bekannt sei, spezifizierte Dennewald. Als Bindeglied zwischen allen Stücken des Festivals fungiere die politische Dimension, die Auseinandersetzung mit identitätsbildenden Prozessen in der jeweiligen Heimat der Compagnien. „Das sind Themen, die oft auch global besonders dringlich sind, wie der politische Zustand der Ukraine nach den Maidan-Protesten oder die Lage in Syrien.“

Eröffnet werden die diesjährigen Theaterformen mit Toshiki Okadas Emanzipationsdrama „God Bless Baseball“. Der Regisseur, der bereits zum dritten Mal Gast des Festivals ist, zeigt in seiner neuesten Arbeit den Volkssport Baseball als Sinnbild für Beziehungen zwischen den USA, Japan und Südkorea. Dabei macht er den Sport als Propagandawerkzeug kultureller Hegemonialbestimmungen sichtbar.
Toco Nikaido und ihre 30-köpfige Truppe Miss Revolutionary wiederum wollen den Besuchern im LOT-Theater in einem gemeinschaftlichen Showexzess das Fürchten lehren. Dabei wird der Fokus verschoben: Statt der überinszenierten japanischen Idole stellt das Stück den Fan in den Mittelpunkt. In „Hipster the King“ aus Thailand bevölkern Ikonen des 20. und 21. Jahrhunderts die Bühne, und in „Baling“ werden die Verhandlungen um die Unabhängigkeit Malysias lebendig.

Als einen Höhepunkt des Festivals hebt Martine Dennewald das Multimediaspektakel „Ten Thousand Tigers“ hervor. Regisseur Ho Tzu Nyen setze sich, so die Festivalleiterin, in epischer Breite, aber auch viel Tiefe mit seiner Heimat Singapur auseinander. Malaiische Mythen und Legenden, Wer-Tiger und Menschen, Vergangenheit und Zukunft – eines gibt es in dieser Geisterbeschwörung nämlich nicht ohne das andere.

Heiterkeit verspricht schließlich das Finale des diesjährigen Programms. „Fuge“ wird als schräge Musiktheater-Expedition ins ewige Eis angekündigt. Wobei die Forscher wodkaselig aneinandergeraten, und nur beim Musizieren wirklich zusammenfinden. Der französische Regisseur Samuel Achache achtet unterdessen darauf, dass bei allerlei Turbulenzen die Melancholie nicht zu kurz kommt.

Das Rahmenprogramm des Festivals Theaterformen wird mit zahlreichen Partnern bestritten. So laufen im Universum Kino vier Wochen vor Festivalstart jeweils mittwochs Filme aus und über Asien, der Kunstverein Braunschweig zeigt im Rahmen seiner Gruppenausstellung eine Reihe von Künstlern, die sich mit ihren Arbeiten an der Schnittstelle von bildender und performativer Kunst bewegen, und in Zusammenarbeit mit verschiedenen Hochschulen werden theaterwissenschaftliche Formate angeboten.

Für Highlights im städtischen Popmusikkalender sorgen zudem – man ist geneigt zu sagen: traditionell – die Konzerte am idyllisch gelegenen Gartenhaus Haeckel. Musikkurator Christoph Braun hat die aktuell heftig feuilletongefeierten Wave-Pop-Wiedergeburtshelfer Isolation Berlin ebenso für einen Ausflug in die Provinz gewinnen können, wie die chansonalen Quertreiber Stereo Total. Die hessischen Okta Logue und die LOT-Theater-Institution Der Drecksklub runden den Gitarrenteil des Festivals ab. Das Buttering Trio, Johanna Borchert sowie Unhappybirthday & Friedrich Liechtenstein Trio bilden die Jazz-Fraktion. Getanzt werden darf zum Dancehall von Chefboss und natürlich im Rahmen der Theaterformen-Party.
Infos: www.theaterformen.de
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