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Zielgenaue Ansprache garantiert

Die MCs Panik Panzer, Koljah und Danger Dan (v.l.) sind die Antilopen Gang. Foto: Thomas Schermer

Die Antilopen Gang kommt am Freitag zur Veranstaltung „Alerta – Beats gegen Rechts” ins Nexus.

Von André Pause, 10.12.2014.

Braunschweig. Juhu, Musik, endlich! Gerade noch war der alte dicke Schreiber dieser Zeilen hochgradig unleidlich unterwegs ob der Schlichtheit des popmusikalischen Programms dieser Stadt. Und jetzt das: ein Silberstreif am Horizont.

Am kommenden Freitag beehrt die unglaublich gute Antilopen Gang das Nexus im Rahmen von „Alerta – Beats gegen Rechts” (Einlass 21 Uhr, vor und nach dem Konzert gibt es ein DJ-Programm, der Eintritt ist frei).

Alerta bedeutet ins Deutsche übersetzt Alarmsignal. Dass es in diesen Tagen davon gar nicht genug geben kann, belegen republikweit Zusammenrottungen im Tausenderbereich, bei denen reaktionäres Gedankengut verbreitet wird.
Die Antilopen Gang, die mit ihrem Anfang November releasten Album „Aversion“ und der Single „Beate Zschäpe hört U2“ einen zumindest in dieser Form nicht unbedingt erwartbaren medialen Hype ausgelöst hat, ist so etwas wie die Idealbesetzung für diesen Abend. Seit mehr als zehn Jahren sind die Rapper Koljah, Panik Panzer und Danger Dan aktiv. Von 2005 bis 2009 mit der Formation Anti Alles Aktion, nach deren Auflösung gründeten sie zusammen mit dem im vergangenen Jahr verstorbenen Freestyler NMZS die Antilopen Gang.

Was unterscheidet die nunmehr als Trio agierende Hip-Hop-Crew von anderen Vertretern des Genres? Die Antwort ist eigentlich simpel: Sie liefern den Beleg, dass Direktheit und Zielgenauigkeit in der Ansprache nicht im Widerspruch zueinander stehen müssen. Die Antilopen schütten nicht dem Mittelstandsproblemkind das Wasser in die Mühlen der Dummheit, sie nennen im Besten Sinne Ross und Reiter oder das Kind beim Namen oder so. Klotzhohle Diss-Tracks überlassen sie anderen. Hier wird das Unkraut nicht gemäht, sondern eingekreist und sorgsam mit Wurzel entfernt.

Nicht nur mit „Beate Zschäpe hört U2“ stoßen sie die Nasen der Hörer in eine Gesellschaft, in der die Salonfähigkeit rechter Positionen eigentlich mehr als nur stutzig machen sollte, in eine Gesellschaft, die vielleicht noch nicht wieder bei Gleichschaltung wohl aber bei Gleichmacherei angelangt ist. Denn warum sollte NSU-Frau Beate Zschäpe auch nicht U2 hören, steht die irische Band heute doch für alles und nichts, vor allem aber dafür, sich flächendeckend und kostenlos zum iTunes-Geschenk zu machen. Gedankenlosigkeit trifft Gedankenlosigkeit, das trifft sich doch gut.

„Das Zentrum der Gesellschaft ist wie ein Ikearegal“, heißt es im Song „Ikearegal“, der eine Zivilisation beschreibt, die nach Gesichtspunkten der Konformität aussortiert. Um einer der daraus resultierenden Gefahren entgegenzuwirken, formulieren die MCs in „Outlaws“ gleich mal die goldene Verhaltensregel: „Wenn sich die Mehrheit faschisiert, musst Du Minderheit sein.“
Die Chance, sich mit dem Gedanken zu solidarisieren besteht übermorgen bei „Alerta – Beats gegen Rechts”.
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