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Wenn die Rollenbilder fehlen ...

Das TU-Projekt „CHO1CE“ möchte Nichtakademiker-Kindern den Weg ins Studium erleichtern.

Von André Pause, 07.03.2015.
Braunschweig. Kinder, deren Eltern Nichtakademiker sind, nehmen bis zu dreimal seltener ein Studium auf. Nur 23 Prozent der Hochschüler gehören der sogenannten „First Generation“ an: Studierende, die als Erste in ihrer Familie ein Studium beginnen. Diese Zahl hat das Deutsche Studentenwerk zuletzt in seiner Studie „Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland 2012“ erhoben.

Ein unbefriedigender Umstand, der die TU Braunschweig zum Projekt „CHO1CE“ inspiriert hat. Erklärtes Ziel hierbei ist, junge Menschen, denen der Zugang zur Hochschulbildung aufgrund fehlender Information, fehlender Vorbilder, Rollenbilder innerhalb der Familie oder mangelnder Hilfestellung schwerfällt, zu unterstützen. „Es gibt Einserabiturienten, die wenig Selbstwirksamkeitserfahrung, oft sogar starke Zweifel haben. Wenn die Umgebung des Einzelnen keine Quellen bietet, fehlt einfach was. Wir möchten, dass die Entscheidung für oder auch gegen ein Studium bewusster gefällt werden kann“, sagt Professor Dr. Simone Kauffeld, Leiterin der Abteilung Arbeits-, Organisations- und Sozialpsychologie der TU.
Gemeinsam mit Koordinatorin Sina Gessnitzer steuert sie das vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur mit einem Fördervolumen von 300 000 Euro für drei Jahre bedachte Projekt. Zunächst wurde mit dem Wilhelm-Gymnasium, der Wilhelm-Bracke-Gesamtschule und dem Gymnasium im Schloss in Wolfenbüttel zusammengearbeitet. Seit November waren die Coaches, allesamt Studenten der TU, die im Vorfeld eine halbjährige spezifische Ausbildung erhalten haben, an einem Nachmittag für 90 Minuten in den Schulen.

Das Gruppencoaching zur Berufsorientierung ist freilich nur einer von mehreren Bausteinen des Projekts. Workshops der Zentralen Studienberatung für Studieninteressierte aus bildungsfernen Schichten oder mit Migrationshintergrund knüpfen ebenso daran an wie der semesterbegleitende Kurs „Train4TU“, der wiederum allen Erstsemestern offensteht.

Die Ergebnisse der „CHO1CE“-Coachings haben die Oberstufenschüler – insgesamt nahmen 50 Jugendliche in dieser ersten Runde teil – jetzt in der Aula der TU interessierten Gästen aus Bildung und Gesellschaft vorgestellt.
Das Feedback der Schüler fällt dabei durchaus positiv aus. „Die zehn Wochen haben Spaß gemacht. Die Coachings waren informativ und hilfreich. Wir haben uns mehr mit der bevorstehenden Entscheidung befasst, und gelernt, unser jeweiliges Ziel besser zu fixieren“, sagt Madeline Küppers, siebzehnjährige Schülerin des Wilhelm-Gymnasiums. Sie möchte übrigens nach dem Abitur selbst erst einmal ein Auslandsjahr machen. Was sie studieren möchte, weiß sie allerdings noch nicht ...
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