Anzeige

Wenn alles bröckelt, hilft reden

Neues Gruppenangebot macht Schritt auf Männer zu – Es geht um Trennung und Scheidung

Von Marion Korth, 07.02.2010

Braunschweig. Ein Mann, der in der Doppelkopfrunde oder nach dem Fußball über seine gescheiterte Beziehung spricht? Ziemlich undenkbar, selbst heute noch. Dabei erschüttert Männer eine Trennung ebenso wie Frauen. Aber Männer leiden anders. Ein neues Gruppenangebot geht darauf ein.

„Zum Männerbild gehört es, Probleme entweder nicht zu haben oder selbst zu lösen“, sagt Volker Schmidt, psychologischer Berater bei der evangelischen Ehe-, Lebens- und Krisenberatungsstelle. Natürlich gebe es nicht den typischen Mann und die typische Frau. Aber tendenziell seien Frauen eher bereit, sich anderen mitzuteilen oder auch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn sie mit der Trennung nicht klarkommen. „Viele Männer ziehen sich dagegen in ihr Schneckenhaus zurück“, meint Schmidt. Sie würden darauf vertrauen, dass die Zeit die Wunden heilt, aber das funktioniert nicht immer. Manchmal erst dann bemerkbar, wenn der Mann in seiner nächsten Beziehung scheitert, Probleme offenbar nur verdrängt, aber nicht aufgearbeitet wurden.
Aber sprechen befreit, hilft dabei, sich seiner eigenen Verhaltens- und Beziehungsschemata bewusster zu werden. Deshalb wollen Volker Schmidt und Maic Zielke, ebenfalls psychologischer Berater und Landesmännerpfarrer, eine „Männerrunde“ zusammenbringen, in der offen über das eigene Selbstverständnis, Trennung und Scheidung gesprochen werden soll. Das erste Treffen ist am 17. Februar (Mittwoch), zwölf Männer, egal welcher Konfession, können mitmachen.
Trennungen seien an der Tagesordnung, Bedarf müsste also sein. Mit dem Angebot wird trotzdem Neuland betreten – aber das gilt nicht nur für Braunschweig, sondern generell. „Es gibt fast kein Buch über das Thema Männer und Trennung“, hat Schmidt bei der Vorbereitung festgestellt.
Eine Trennung ist immer ein schwerer Einschnitt. Die Erfahrung, als Mensch zurückgewiesen zu werden, in der Beziehung „versagt“ zu haben, kränkt tief. Mit dem Verlust der Partnerin bröckelt oft auch der Freundeskreis, das Verhältnis zu den Kindern kann sich verändern, dazu kommt häufig der soziale Abstieg durch finanzielle Belastungen.
„Ich hoffe, dass Männer sich trauen, unser Angebot anzunehmen“, sagt Schmidt. Ziel sei es, die Beziehung und das eigene Verhalten besser zu verstehen. Bestenfalls könnte am Ende die Erfahrung stehen, dass Mann sehr wohl mit Männern über das Thema Trennung sprechen kann. Und dass es wieder möglich ist, sich selbst und anderen offen und ungezwungen entgegenzugehen.

Service: • Beginn am 17. Februar, insgesamt acht Treffen in der evangelischen Ehe-, Lebens- und Krisenberatungsstelle, Parkstraße 8a.
• Teilnahmegebühr insgesamt 60 Euro.
• Anmeldungen unter Telefon 22 03 30.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.