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Weltweites Netz ausgelegt

Werkverzeichnis im Internet bringt Lackwaren von Stobwasser ins Bewusstsein zurück.

Von Marion Korth, 04.01.2012.


Braunschweig. „Was heute die Rolexuhr ist, war damals die Stobwasser-Schnupftabaksdose“, sagt Detlev Richter. Der Münchner ist weltweit anerkannter Fachmann, keiner kennt sich mit der Geschichte der Braunschweiger Lackkunstmanufaktur so aus wie er. Ein Werkverzeichnis im Internet erlaubt nun weltweit den Zugriff auf sein gesammeltes Wissen.

Die Internetdatenbank, in der rund 3000 Objekte aus Museums- und Privatbesitz nebst genauer Beschreibungen aufgelistet sind, bezeichnet dabei nur die „Spitze eines Eisberges“. Denn Richter hat schon vor einem Vierteljahrhundert damit begonnen, das verschüttete und vergessene Wissen über ein glorreiches Kapitel Braunschweiger Wirtschafts- und Kunsthandwerksgeschichte aufzuarbeiten. Durch Zufall hatte Richter eine erste Stobwasser-Dose in die Hand bekommen – und kam fortan von dem Thema nicht mehr los. „Ich bin Illustrator von Beruf, die Qualität der Malerei, dieser feine Pinselstrich haben mich begeistert“, schwärmt er. So wurde er zum Sammler und mehr und mehr zum Kenner.
Der Anfang allerdings war schwer. „Niemand wusste etwas, angeblich gab es keine Dokumente.“ Richter fand dennoch einiges: in Berlin, in Braunschweig und sogar in Weimar. Drei Jahre dauerte die Recherche. Auf der Suche nach einem Sponsor für sein erstes Fachbuch zum Thema traf Richter auf Richard Borek, seither konnte er immer wieder auf die ideelle und finanzielle Unterstützung der Borek-Stiftung zählen. Außerdem auf die der Stiftung Nord/LB-Öffentliche sowie der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, die eine eigene Buchreihe zur Geschichte des Braunschweigischen Kunsthandwerks aufgelegt haben. Fürstenberg spielt da eine wichtige Rolle, aber auch Stobwasser. 2005 erschien eine aufwendig aufgemachte Monografie über die Lackkunst aus Braunschweig und Berlin.
Im Jahr 2009 begann Detlev Richter im Auftrag der Borek Stiftung seine Grundlagenarbeit für die Datenbank. „Ein Sammelgebiet kann nur entwickelt werden, wenn es transparent ist“, erläutert Richard Borek. Was für Münzen oder Briefmarken gilt, gilt auch für die Stobwasser-Kunst. Ein umfassender Überblick und eine qualitative Einordnung fehlten bislang. Aus Verbundenheit zu Braunschweig hat Borek selbst eine größere Sammlung zusammengetragen, die über viele Jahre gemeinsam mit museumseigenen Stücken im Städtischen Museum am Löwenwall ausgestellt worden war. Er hofft, dass nach dem Umbau dort oder an anderer Stelle wieder ein Platz gefunden wird.
Bis dahin sind die Lackkunstwerke (Dosen, Tabletts oder auch Möbel) im Internet zu bewundern (www.werkverzeichnis-stobwasser.de). Diejenigen, die bekannt sind, aber vielleicht bald auch neue Stücke, die bislang vor der Fachwelt verborgen in einem Schrank standen. Mittels Internetformular können sie ebenfalls einen Weg in die Datenbank finden – vorausgesetzt, dass es sich um noch nicht verzeichnete Gegenstände oder ein neues Motiv handelt. Richter geht davon aus, dass bestimmt weitere 3000 Stobwasser-Produkte in der Welt verstreut sind, geschätzt die Hälfte davon in neuer Variation.

Service
Der Begriff „Stobwasser“ steht bis heute für von der Familie Stobwasser ab dem späten 18. Jahrhundert in Braunschweig, Wolfenbüttel und später auch in Berlin hergestellten Lackarbeiten, insbesondere jedoch für die von hervorragenden Malern verzierten und mit unzähligen Lackschichten versehenen Schnupftabaksdosen. Diese als „Stobwasserdosen“ weltweit bekannten Kunsthandwerksarbeiten sind nach wie vor gesucht und erzielen auf Auktionen hohe Preise. Eine Dose in mittlerer Erhaltung mit passendem Boden und Deckel sowie Signatur kostet zwischen 1000 und 3000 Euro.
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