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Was Georg Mascolo von Donald Trump unterscheidet

An der Seite von Gastgeberin Claudia Gorille erzählte Georg Mascolo viel über sich persönlich, aber auch über die Abläufe und Mechanismen im gegenwärtigen Medienbetrieb. Foto: Pause/oh

Der ehemalige Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Der Spiegel besuchte auf Einladung von Presse- und Marketing-Club die Löwenstadt.

Von Christoph Matthies, 02.09.2017.

Braunschweig. Im Journalismus muss es im Zeitalter von Internet und Social Media oft richtig schnell gehen. Dass Georg Mascolo, einer der bekanntesten und profiliertesten deutschen Investigativjournalisten, für die Mitglieder von Presseclub und Marketing-Club nur eine gute Stunde Zeit hatte, war allerdings anderem Umständen geschuldet.

Dem Fahrplan der Bahn nämlich, und diesem hatte der Chefreporter des Rechercheverbunds von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR im Vorfeld etwas zu wenig Recherche gewidmet, so dass er eine Stunde früher als geplant aus dem Braunschweiger Porsche-Zentrum wieder in die Hauptstadt aufbrechen musste. Was er aber bis dahin im Gespräch mit der Presseclub-Vorsitzenden Claudia Gorille und Marketing-Club-Präsident Harald Rau zu erzählen hatte, war dafür sympathisch und aufschlussreich.

So machte Mascolo weniger erfahrenen Berufskollegen vielleicht sogar ein bisschen Mut, wenn er, eine der Edelfedern im deutschen Journalismus, von seiner eigenen Fehlbarkeit berichtete. „Am besten kann ich mich an Geschichten erinnern, bei denen ich falsch gelegen habe“, so der langjährige Mitarbeiter und ehemalige Chefredakteur des Spiegel. „Je länger man den Beruf macht, desto mehr sieht man, dass man bei aller Sorgfalt und Akribie trotzdem Fehler macht“, berichtete er von einer Erkenntnis, die durchaus geeignet sei, einen Demut zu lehren.

Mit „Fake News“, dem eigentlichen Thema des Abends, hätten derartige handwerkliche Fehler allerdings nichts zu tun. Überhaupt werde der Begriff, der eigentlich nichts anderes als gezielte, absichtliche Lügen beschreibe, mittlerweile viel zu häufig benutzt, bemerkte der 52-Jährige, der im niedersächsischen Stadthagen geboren wurde.
Doch nicht nur eigene Schwächen und „alternative Fakten“ beleuchtete Mascolo. Die massiven Umbrüche durch die digitale Revolution, seine Tätigkeit im 2014 gegründeten Rechercheverbund – etwa am Beispiel der zu einiger Berühmtheit gelangten „Panama Papers“ – und eines der präsentesten Themen unserer Zeit, den (islamistischen) Terrorismus, schnitt der nach eigener Aussage „leicht besorgte Optimist“ an. Und er stellte dem aktuellen US-Präsidenten auf Nachfrage das Prädikat „niederschmetternd“ aus: „Trump hat im Verbreiten von Lügen und ‚Fake News‘ eine Taktung, bei der man gar nicht mehr hinterherkommt.“

Von Untergangsszenarien im Hinblick auf seinen Beruf hält Mascolo derweil nicht viel, die „inzwischen ziemlich weit verbreitete Jammerei“ im Journalismus mag er nicht. „Für guten Journalismus muss man auch Geld bezahlen. Ich wüsste nicht, wie er sonst zu refinanzieren wäre“, stellte er aber unmissverständlich fest. Und gab den vielen Zuhörern und Kollegen noch einen guten Ratschlag mit auf den Weg: „Der Schreibtisch ist für einen Journalisten der gefährlichste Ort, den ich kenne. Wenn man nicht dahin geht, wo etwas passiert, dann wird es schwierig.“

Gern hätte man Georg Mascolo bei seinem Gastspiel in Braunschweig länger zugehört, doch der Zug nach Berlin wartete nicht. Sein „ich komme gern noch mal wieder“ hörte sich aber fast wie ein Versprechen an. Bis dahin muss man wieder mit dem gedruckten Mascolo vorliebnehmen. Was ja nun auch gar nicht mal so schlecht ist.
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1 Kommentar
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Claudia Gorille aus Braunschweig - Nordstadt | 02.09.2017 | 20:12  
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