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„Voll gewesen – toll gewesen“

Die Großdisko Jolly Joker schloss am Sonntagmorgen nach 29 Jahren für immer ihre Türen.

Von Falk-Martin Drescher, 04.07.2012.

Braunschweig. Mehr als zehntausend Menschen verabschiedeten sich in der vergangenen Woche an den drei Öffnungstagen feierlich von der Großraumdiskothek Jolly Joker – am finalen Tag, am Sonnabend, waren es sogar rund 5000 Gäste.

„Früher hätten wir gesagt: Das war ein schwacher Samstag“, erzählt Jolly-Joker-Geschäftsführer Herbert Baars mit einem Schmunzeln und schildert: Ende der Achtziger waren 6000 bis sogar 8000 Gäste an einem Sonnabend üblich. Freitags seien es rund 6000, dienstags etwa 4000 Feierwütige gewesen. Seien vor der Eröffnung im November 1983 schätzungsweise nur rund 1500 bis 2000 Menschen im Nachtleben unterwegs gewesen, kamen plötzlich 6000 in die neue Großraumdiskothek. „Die Leute kamen wie aus dem Nichts.“
Auf die Eröffnung gespannt war damals auch die Braunschweigerin Bärbel Mäkeler. Sie erinnert sich: „Wir waren sehr gespannt, die Eröffnung war etwas ganz Besonderes für uns alle. Der Innenbereich war spektakulär, die Tanzfläche war riesig und die Diskothek insgesamt zum Verlaufen groß“. Doch mit den Jahren wurde nicht nur auf der Tanzfläche gerockt, auch das Inventar wurde zunehmend „zerrockt“. Auch Baars nahm dies zur Kenntnis, sieht darin allerdings nicht den Grund für den allmählichen Besucherrückgang. „Im Jahr 2005 hatten wir so viele Gäste wie noch nie zuvor. Und in dem Jahr sah es unwesentlich anders aus als heute.“ Ausschlaggebend seien viel mehr der demografische Wandel sowie die zusätzliche Belastung der Schüler durch das komprimierte Abitur. „Die behördlichen Anforderungen, die Lasten sind gestiegen, die Einnahmen sind permanent gesunken“, bringt Baars das Dilemma auf den Punkt.
Mitte April kam mit dem Insolvenzantrag das vorläufige Aus für die Großdisko. Bis zum 30. Juni zahlte die Arbeitsagentur die Löhne der Mitarbeiter. Ein Investor oder Käufer wurde bis dahin nicht gefunden.
In den vergangenen beiden Jahren organisatorisch viel mitgewirkt hat auch Fitim Mehmeti. Organisieren, putzen, auflegen – ihm lag viel an dem Erhalt der beliebten Großraumdiskothek. „Die Schließung ist ein herber Rückschlag, fühlt sich an wie ein Schlag ins Gesicht“. Oft stand die Betriebsleitung in der öffentlichen Diskussion, Mehmeti allerdings ist insbesondere Baars sehr dankbar. „Baars ist ein guter Mensch und war immer für mich da. An der Entwicklung konnte er leider nicht mehr viel ändern.“ Im Joker habe der 19-Jährige die Möglichkeit erhalten, seine Ideen und Potenziale einzubringen.
Mit dem Ende des Betriebs schloss nun die einzige Braunschweiger Großraumdiskothek. „Ein guter Teil meines Lebenswerks ist damit verloren gegangen“, gibt der Joker-Geschäftsführer zu. Unsicher ist, wohin es die bisherigen Gäste ziehen wird. In die Clubs der Innenstadt, in Großraumdiskos anderer Städte oder nirgendwo hin. Wenn es nach Baars geht, ist die Sache recht eindeutig: „Die Leute werden dahin gehen, wo sie vor dem Joker auch waren: nach Hause. Privatpartys werden definitiv zunehmen.“ Auch der Verbleib der Immobilie ist viel diskutiert, die Gerüchte kursieren. Klar ist lediglich: Ruhig wird es um die verbliebenen Räumlichkeiten – auch nach der Schließung – nicht.
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