Anzeige

Verlacht, verdammt und weggesperrt

Die Ausstellung „Bildstörung“ zeigt, wie mit Behinderten in der Geschichte umgegangen wurde

Von Birgit Leute, 14.04.2010

Braunschweig. Sie hießen Krüppel, Narren, Bucklige, Kreaturen – jahrhundertelang waren Menschen mit Behinderungen die Außenseiter der Gesellschaft. Die Ausstellung „Bildstörung“, die noch bis zum 30. April in den Berufsbildenden Schulen V zu sehen ist, zeigt, wie die verschiedenen Kulturen mit ihnen umgegangen sind.

Eins machen die rund 30 Text- und Bildtafeln gleich klar: Wer nicht der Norm entsprach, hatte schlechte Karten. Schon im alten Griechenland galt der athletische Mann als das Maß aller Dinge – heute würden wir wahrscheinlich vom „Normalbürger“ sprechen. Das Problem war, dass mit dem Äußeren auch gleich eine moralische Wertung einherging.
„Der Philosoph Sokrates brachte es auf die simple Formel ‚schön und gut‘, für das Christen- und Judentum war ein behindertes Kind dagegen die Strafe Gottes und der Beweis dafür, dass die Mutter zuvor gesündigt hatte“, erläuterte Ulrich Scheibner, ehemaliger Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für Behinderte, bei der Eröffnung der Ausstellung.
Das Mittelalter ist voll von Beispielen, wie mit recht drastischen Mitteln versucht wurde, Behinderte von den vorgeblich „bösen Geistern“ zu befreien. Exorzismus war dabei eine der harmlosen Varianten. Unter anderem wurden auch Brech- und Abführmittel eingesetzt oder der Kopf kurzerhand in einen Ofen gesteckt, um die Dämonen mittels Hitze zu vertreiben.
„Die späteren Tollhäuser oder Werkstätten waren im Vergleich dazu ein großer Fortschritt, aber sie blieben immer Abschiebungsmaßnahmen, in denen zum Teil medizinische Maßnahmen praktiziert wurden, die an Folter grenzten“, sagte Scheibner. Erstaunlicherweise – so macht die Ausstellung deutlich – haben sich in der Steinzeit die Sippen um ihre Behinderten gekümmert, bei den alten Ägyptern waren sie als sogar Musiker, Sänger und Hofmeister geachtet.
„Bildstörung– der lange Weg vom Tollhaus zur Werkstatt für Behinderte“ ist ein Kooperationsprojekt von der Lebenshilfe Braunschweig und dem Fachgymnasium für Gesundheit und Soziales. Die Schüler Jannis Freistedt, Mitja Marheide und Robert Oppermann wählten das Thema im Rahmen des Pädagogik-Unterrichtes und trugen mit zur Organisation bei.
Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 30. April, Montag bis Freitag 10 bis 16 Uhr in der Kastanienallee 71. Der Eintritt ist frei. Nach Absprache (mitja.marheide@bbs5-bs.de) sind auch Termine für kurze Einführungen möglich.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.