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Und immer das Salz auf den Lippen

Die nB-Reisereportage: Vom Frühling an der Algarve und von beweglichen Sehenswürdigkeiten in Portugals Hauptstadt Lissabon.

Von Martina Jurk, 30.05.10

Im Frühling ist die portugiesische Algarve am schönsten, heißt es. Stimmt genau. Unser Trip Anfang März war genau der richtige Zeitpunkt. Noch waren die Heerscharen von Touristen nicht über den Küstenstreifen am Atlantik – das westliche Festland-Ende Europas – hergefallen.

Sattes Grün, das unseren farbentwöhnten Winteraugen fast schmerzte, Orangen- und Zitronenbäume schwer an Früchten tragend, die Wiesen des bergigen Landes vom Regen getränkt glänzten in der Sonne, Oliven- und Eukalyptusbäume, kuschelige Kiefern bestimmten das Bild im Hinterland.
Chuva (übersetzt Regen) – dieses Wort wollten die Portugiesen eigentlich nicht mehr in den Mund nehmen. Seit dem 26. Dezember 2009 hatte es fast täglich gegossen – für die Region ungewöhnlich. Aber sie mussten doch. Denn unser Feriendomizil in Carvoeiro, eine Autostunde vom Flughafen Faro in westlicher Richtung entfernt, und in Nachbarschaft zu Albufeira, Lagoa und Portimão, bescherte uns einen feuchten Empfang. Wir nahmen es gelassen. Unsere Ferienwohnung im Carvoeiro Club (CC) bot alle häuslichen Annehmlichkeiten einschließlich zweier Kamine. Wahrzeichen des Ortes sind die Abzugstürme, die jedes Haus zieren und ganz individuell gestaltet sind. Carvoeiro hat natürlich noch mehr zu bieten: Beschaulichkeit, Gemütlichkeit, nette Geschäfte, Cafés und Restaurants, schöne Häuser, einen eigenen Hausstrand, Buchten, Felsformationen mit spektakulären Ausblicken – und es ist ein Paradies für Golfer.
Immer schmeckten wir das Salz vom Meer auf den Lippen. Apropos Salz und schmecken: Essen gehen kann man gut und viel in Carvoeiro, die Preise bewegen sich auf deutschem Niveau. Zu unserem Lieblingsplatz wurde das Restaurante „Tia Ilda“ (Tante Ilda). Auf der Terrasse genossen wir nicht nur köstliche Fischgerichte wie gegrillte Sardinen, sondern einen atemberaubenden Blick auf die Bucht und das Meer.
Auf unserem selbstorganisierten Ausflugsprogramm standen zwei Tage Lissabon. Nach drei Stunden Busfahrt auf der A 2 (es gibt sie auch in Portugal) durch die Serra do Caldeirao kamen wir entspannt in der portugiesischen Hauptstadt an. Die Annäherung an die 850 000-Einwohner-Metropole über die Brücke des 25. April mit dem Monumento Cristo Rei an deren Zufahrt ließ uns den Atem stocken. Die Stadt am Tejo – auch die Schöne genannt – lag uns zu Füßen.
Lissabon mussten wir uns erarbeiten. Nicht vergleichbar mit Paris oder London, wo man selbstredend sofort auf den Eiffelturm oder die Tower-Bridge zusteuert. Wir hatten gut daran getan, uns vor dem Besuch zu informieren, was die Stadt ausmacht, von der aus die Seefahrernation in neue Welten aufbrach.
Selbstverständlich hat Lissabon seine in Stein gehauenen Sehenswürdigkeiten, und das sind ob der jahrhundertealten Geschichte nicht gerade wenige: die Praça do Comércio mit dem Denkmal von Jose I., der Arco Triunfal, die Rua Augusta – die noble Einkaufsstraße, die mittelalterlichen Viertel Alfama und Mouraria, die Ruinen des Convento do Carmo, das durch das Erdbeben im Jahr 1755 fast völlig beschädigt wurde, Castelo de Sao Jorge und viele mehr. Nicht weniger spektakulär sind die modernen „Denkmäler“, die zur Expo 1998 entstanden sind, wie das Oceanário de Lisboa, eines der größten Meeresaquarien der Welt, der Vasco-da-Gama-Turm oder die Ponte Vasco da Gama, mit 17 Kilometern eine der längsten Brücken der Welt.
Die eigentlichen Highlights aber sind die beweglichen Sehenswürdigkeiten. Diese und die Art der Portugiesen zu leben, interessierten uns besonders: Beides fanden wir in zwei öffentlichen Verkehrsmitteln. Da ist der Elevador do Carmo (oder auch Elevador de Santa Justa), errichtet nach Plänen des Ingenieurs Raoul Mesnier de Ponsard, eines Schülers von Gustave Eiffel. Der eiserne Fahrstuhl steht mitten im Einkaufszentrum, über ihn gelangten wir von der Unterstadt in die Oberstadt, also von der Baixa ins Bairro Alto. Dort, in der Altstadt mit ihren unzähligen Kneipen und Bars, mit Livemusik des typischen schwermütigen Fado-Gesangs, spielt sich am Abend das Leben ab.
Und dann die Eléctrico 28, die einwagige historische Straßenbahn. Wenn sie die engen und steilen Gassen hinab- oder hinaufrattert, passt an manchen Stellen kein Blatt Papier mehr zwischen Bahn und Hauswand.
Im Café „A Brasileira“ spürten wir den Atem Lissabons – ruhig und laut, gelassen und hektisch, morbide und modern.
Pasteis de Nata, ein leckeres mit Pudding gefülltes Blätterteigtörtchen und quasi der Nationalkuchen, genossen wir aber nicht nur dort zum Bica (kleiner Schwarzer oder Espresso), sondern an jeder Ecke in Portugal.
Am zweiten Tag besuchten wir den Stadtteil Belém. Direkt am Flussufer befinden sich das Wahrzeichen der Stadt, der Torre de Belém, 1515 als Leuchtturm und Festungsbau konzipiert und Unesco-Weltkulturerbe, sowie das Denkmal der Entdeckungen. Und wir entdeckten tatsächlich, wie sich an dieser Stelle ein unverwechselbares Stadtbild zusammenfügt: gegenüberliegend das 300 Meter lange Mosteiro dos Jerónimos – das Hieronymus-Kloster mit seinem wunderschönen Garten, ein Meisterwerk der manuelinischen Architektur und ebenfalls Weltkulturerbe, der riesige Fluss, der etwas weiter westlich in den Atlantik mündet, die Brücke des 25. April, die der Golden Gate Bridge in San Francisco sehr ähnelt, und das Monument Cristo Rei.
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