Anzeige

Stufenweise zur Erschöpfung

Abgekämpft, aber glücklich (hinten v. l.): Fabian Ahlfeld (Ortsfeuerwehr Thune), Sebastian Herr (Ortsfeuerwehr Timmerlah), Philipp Heuer (Thune), (vorn v. l.) Nanda Pasternak (Thune), Jan Westphal (Timmerlah) und Martin Schrapel (Thune). Fotos: T.A.

Hartes Training im Hochhaus Sielkamp für den „Firefighter Stairrun“ in Berlin.

Von Marion Korth, 27.04.2014.

Braunschweig. Die Pressluftflaschen sind leer. Trainingsziel erreicht. Sechs Männer, komplett erschöpft. Sie nehmen die Atemmasken ab. Schweißtropfen rinnen. Die Aussicht ist grandios, aber dafür hat jetzt niemand einen Blick. Stattdessen Atem schöpfen, ausruhen.

Der „Gipfel“ ist erreicht, nicht zum ersten Mal an diesem Nachmittag: Fünfmal bis ganz nach oben, 21. Stock des Hochhauses am Sielkamp 52. Hartes Training für einen harten Wettbewerb, am 10. Mai treten in Berlin Feuerwehrmänner und -frauen aus insgesamt sechs Nationen beim „Firefighter Stairrun“ gegeneinander an. 770 Stufen laufen sie hinauf bis in die 39. Etage des Park Inn Hotels, circa 110 Meter hoch, weit über den Dächern von Berlin. Das ist schon unter normalen Bedingungen eine Herausforderung, aber die Feuerwehrleute gehen nicht im Sportdress, sondern in ihrer schweren Einsatzkleidung und mit Atemschutz an den Start, auf dem Rücken tragen sie die Pressluftflasche. Das bedeutet noch mal eben 25 bis 27 Kilogramm mehr Gewicht, das sie mit in die Höhe schleppen müssen.
„Viele glauben ja, der I-Punkt ist Braunschweigs höchstes Haus, aber das stimmt nicht“, sagt Hausmeister Udo Strack. Er ist selbst freiwilliger Feuerwehrmann und hat seinen Kameraden der Freiwilligen Wehren in Thune und Timmerlah wieder einmal die Türen für das Fluchttreppenhaus aufgeschlossen. Das Hochhaus am Sielkamp mit seinen 21 Stockwerken und 336 Stufen ist ein ideales Trainingsgelände. Kaum sind die Treppenläufer oben, fahren sie mit dem Fahrstuhl nach unten und wiederholen ihren Lauf sofort, um sich auf die Berliner XXL-Maßstäbe vorzubereiten. „Wir trainieren hier sogar unter erschwerten Bedingungen, wir haben hier höhere Stufen“, sagt Nando Pasternak, mit 32 Jahren der Älteste im Team.
In Berlin werden im 30-Sekunden-Takt die Zweiertrupps ins Treppenhaus geschickt. Jedes Team wird einzeln gewertet. Ein Mann kann sich blind auf den anderen verlassen. „Da gehört viel Abstimmung dazu, wenn einer nicht mehr kann, muss der andere warten“, sagt Pasternak. Einfach loszurennen, führt hier nicht zum Ziel, stattdessen müssen die Gipfelstürmer Tempo und Kraft dosieren. Immer zwei Stufen auf einmal nehmen sie. „Und bloß nicht die Stockwerke zählen“, sagt Nando Pasternak, das entmutigt. Ab dem zehnten Stock werde es „interessant“. Das Atmen unter der Maske sei angenehm. Die Flaschen sind gefüllt mit frischer, kühler Heidberger Luft. Mit jedem Treppenlauf sinkt der Druck von anfangs 300 bar, fällt er unter 50, ertönt ein gellender Alarmton, eine Art Schlusspfiff für die Feuerwehrmänner. Die besten Läufer in Berlin brauchen nicht einmal fünf Minuten für 770 Stufen, die Männer der Freiwilligen Feuerwehr Braunschweig wären mit zehn Minuten zufrieden. Dafür trainieren sie.
Übrigens: Die Freiwillige Feuerwehr Braunschweig freut sich über neue Mitglieder, Infos unter www.feuerwehr-braunschweig.de .
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.