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„Sammelliste von Verboten“

Falschparker dürfen abgeschleppt werden, Feuerwerkskörper und bengalische Feuer sind verboten, ebenso aber auch politische oder religiöse Zeichen auf Bannern oder Flugblättern. T.A.

Neue Stadionordnung trotzdem beschlossen.

Von Marion Korth, 28.08.2013

Braunschweig. Gestern hat der Rat mehrheitlich die neue Stadionordnung beschlossen und ist damit, so der Vorwurf, in der Abwägung zwischen Gewährleistung der Sicherheit und Wahrung der Bürgerrechte übers Ziel hinausgeschossen.

Vier Ergänzungen waren notwenig, bis die Vorlage abstimmungsreif war. Unmengen von formalen Unzulänglichkeiten habe er herausgefieselt, kritisierte Jens-Wolfhard Schicke-Uffmann, Fraktionsvorsitzender der Piraten. Übrig geblieben sei am Ende „eine Sammelliste von Verboten“, die weit über das Maß hinausgehe, was nötig sei. Detlev Kühn (SPD) rechtfertigte die Ordnung, sie sei „eine Handhabe, um handeln zu können“. Auch die CDU stimmte dafür. Damit Menschen auch unterschiedlicher Gesinnung beim Fußball ungetrübten Spaß haben könnten, seien extreme Haltungen nicht förderlich, sagte Claas Merfort.
Es versteht sich fast von selbst, liegt mit der Neufassung der Stadionordnung nun aber auch in schriftlicher und verbindlicher Form vor: Besucher dürfen weder Feuerwerkskörper noch Rauchbomben mitbringen, keine Waffen oder Gassprühdosen. Aber auch die Kleidung könnte Anlass zum Einschreiten des Sicherheitspersonals werden.
An dieser Stelle formulierte Udo Sommerfeld, Fraktionsvorsitzender der Linken seinen Widerspruch. Auch auf Nachfrage habe ihm eigentlich niemand so wirklich sagen können, wie Personen aussehen müssen, deren äußeres Erscheinungsbild zum Beispiel auf linksextreme Anschauungen schließen lasse. Geht es um Punker mit Irokesenschnitt und anarchistischer Grundhaltung? Oder um einen schwarzen Block, der sich in den Rängen formiert? Da das Stadion in Blöcke aufgeteilt sei und es auch Eintracht-Fans in schwarzer Kleidung gebe, könne das schon mal vorkommen, gab Sommerfeld zu bedenken. Die Möglichkeiten einer Ausgrenzung über die äußerliche Erscheinung ist in seinen Augen kein wirkliches Instrument gegen Rassismus oder Intoleranz. „Es gab rechtsextreme Vorfälle, das Problem aber ist, dass dagegen nicht vorgegangen worden ist“, sagte er. Die neue Stadionordnung lenke nur vom eigentlichen Problem ab und verwässere es. Weil politische und religiöse Zeichen nun grundsätzlich verboten sind, falle darunter auch ein Transparent mit der politischen Aussage „Keine Eintracht mit Nazis“, nannte er ein weiteres Beispiel. Und auch eine Fangruppe der Jungen Union könnte Probleme bekommen.
Die Möglichkeit, Menschen mit extremen Überzeugungen von Veranstaltungen auszuschließen, leitet sich aus folgendem Anspruch ab, der in der ergänzten Stadionfassung einleitend formuliert ist: „Der BTSV Eintracht von 1895 e.V. und die Eintracht Braunschweig GmbH & Co. KGaA stehen für eine weltoffene, tolerante Sport- und Fußballkultur und sprechen sich gegen fremdenfeindliche, rassistische, homophobe, gewaltverherrlichende, antisemitische, links- bzw. rechtsextreme und ausländerfeindliche Verhaltensweisen, Lebensanschauungen und politische Einstellungen aus.“
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