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Roter Punkt heißt „Sorgenkind“

Verkehrssicherheit an erster Stelle: Abteilung Stadtgrün muss 94 000 Bäume im Blick haben

Von Marion Korth

Braunschweig. Wo Bäume stehen, fallen Blätter – und manchmal auch Äste. So wie neulich in der Gaußstraße. Da kracht ganz ohne Vorwarnung ein dicker Ast von einer augenscheinlich gesunden Kastanie. „Von außen war kein Schaden zu sehen“, sagt Ralf Günther, Fachbereichsleiter Stadtgrün. Der Fall wird dennoch Folgen haben.

Ein so genannter Grünbruch: Der Ast voll belaubt und innen dennoch hohl. „Wenn so etwas passiert, dann schauen wir uns die Bäume in der ganzen Straße an“, sagt Ralf Günther. Ansonsten wird nach einem genau ausgeklügelten Plan kontrolliert, welcher Baum in welchem Zustand ist und ob er eine mögliche Gefahr darstellt. „Wir sprechen hier über Verkehrssicherheit, das betrifft alle Bäume an Straßen, auf Schulhöfen, Spielplätzen oder Parkwegen.“ Insgesamt rund 94 000. „Die haben wir im Blick“, sagt Günther. Nicht ständig natürlich, dafür reichen auch drei Baumkontrolleure nicht aus.
Grundlage für deren Arbeit ist das Baumkataster, das fast fertiggestellt ist. Dafür wurden die Stadtbäume besucht, begutachtet, Daten über Art, Alter, Größe und Zustand aufgezeichnet und schließlich zentimetergenau eingemessen. Durchnummeriert sind sie in Karten verzeichnet. Roter Punkt heißt „Sorgenkind“ und damit bis zu drei Kontrollen jährlich. Das gilt zum Beispiel für einen älteren Baum, der schon einmal chirurgisch behandelt worden ist und direkt an einer Straße steht. Junge Bäume, die gerade gepflanzt worden sind bis zum 15. Standjahr werden noch nicht kontrolliert. Ältere abgestuft nach Jahresrhythmen. Das System solle mit Hilfe des Baumkatasters noch weiter verfeinert werden: Weg von pauschaleren Kontrollen hin zu gezielten und problemorientierten, sagt Günther. Stadtpläne auf Papier und Begutachtungsblätter seien demnächst ebenfalls passé. Die Kontrolleure sollen mit tragbaren Minicomputern ausgestattet werden, worin sie alle Daten direkt speichern können.
Baumkontrolleure kennen sich zwar mit Bäumen aus, hineinschauen können sie allerdings nicht. Manchmal bringt schon bloßes Klopfen an Stamm und Ästen erste Erkenntnisse über eventuelle Höhlungen. In Zweifelsfällen werden Baumsachverständige hinzugezogen und technische Verfahren angewendet. Da werden Restwandstärken gemessen, Ultraschalluntersuchungen vorgenommen, ja selbst Computertomographien sind möglich. Außerdem Zugtests, um zu überprüfen, ob ein Baum einem vergleichbaren Winddruck standhalten würde. Der Aufwand, der für Kontrolle und Pflege getrieben wird, bewegt sich zwischen „dem, was technisch möglich und wirtschaftlich machbar ist“, erläutert Günther. Aber es sei schon das Ziel, alte und gesunde Bäume in der Stadt zu haben. Aber das gelingt nicht immer. „Eine große Kastanie am Wendentor direkt an einem der Torhäuser ist fast völlig abgestorben“, sagt Günther. Der Baum sei von Pilzen befallen, nicht mehr zu retten. Er wird gefällt, das steht fest.
Der Kastanienast in der Gaußstraße hat zum Glück keinen größeren Schaden angerichtet, kam punktgenau zwischen Passantin und parkenden Autos ’runter. Sachschäden gebe es häufiger. Die Stadt ist nur dann auf der sicheren Seite, wenn sie nachweisen kann, dass sie ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen ist und die Richtlinien eingehalten hat. Voraussetzung dafür, dass die Versicherung für den Schaden aufkommt.
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