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„Rat geben, nicht mitjammern“

Seit sechs Jahren begleitet der Verein „Weggefährten“ krebskranke Kinder und ihre Eltern

Von Birgit Leute


Braunschweig. Zerbrochene Freundschaften, Einsamkeit – als vor neun Jahren ihr Sohn an Leukämie erkrankte, erfuhr Anja Renz am eigenen Leib, wie sehr Krebs das Leben verändert. Gemeinsam mit anderen Eltern gründete sie 2002 den Verein „Weggefährten“. Inzwischen erhielt sie dafür den Luise-Löbbecke-Ring.

Die Auszeichnung der Stiftung Neuerkerode und des Bankhauses Löbbecke (die nB berichtete) ist die Krönung für den unermüdlichen Einsatz der „Weggefährten“. Doch: Nicht der Ring, der anlässlich eines Festakts im Oktober 2008 im Dom verliehen wurde, fällt in den Räumen des Vereines im Klinikum Holwedestraße ins Auge. Es sind vielmehr die zahlreichen Geschenke der Eltern und Kinder, die von dem Verein durch die Krankheit begleitet wurden.
„Wenn ein Wunder in der Welt geschieht, geschieht es durch liebevolle Herzen“, steht auf einem selbstgebastelten Herz. An der Wand hängen Dankeskarten, Feriengrüße, aber auch Erinnerungen an Kinder, die es nicht „geschafft“ haben, die ihrem Krebsleiden erlegen sind. „Wir wollen die Eltern verwöhnen, ihnen Rat geben, nicht mitjammern“, beschreibt Anja Renz ihre Rolle in der „Elternhilfe zur Unterstützung tumorkranker Kinder“.
Wie sich jemand fühlt, der erfährt, dass sein Kind Krebs hat, kennt die 44-Jährige aus eigener Erfahrung. Vor neun Jahren wurde ihr Sohn krank. „Leukämie“, diagnostizierten die Ärzte. Für Anja Renz ein Schock: „Man hat das Gefühl, es reißt einem den Boden unter den Füßen weg“, erinnert sich die Mutter an den schlimmen Moment. Dass sie heute anderen Eltern Kraft geben kann, ist auch der Professionalität zu verdanken, die sie und Mitgründerinnen wie Astrid Stute inzwischen entwickelt haben.
„Wir schaffen ein Stück Normalität in einem Alltag, der sich für die Betroffenen wochenlang nur noch um Klinik und Therapie dreht“, sagt Astrid Stute. Gerade in dieser Zeit können leicht Freundschaften zerbrechen, Ehen auseinandergehen und sich Geschwisterkinder zurückgesetzt fühlen. „Manchmal wird erst nach Jahren sichtbar, welche Spuren die Krankheit in den Familien hinterlassen hat, dann nämlich, wenn plötzlich Vorwürfe laut werden“, erinnert sich Stute.
In den wöchentlichen Gesprächskreisen, bei Ausflügen und Workshops erfahren Eltern und Kinder zum ersten Mal wieder: Sie sind nicht allein. Manche Bindungen, die hier geknüpft werden, halten Jahre, andere lösen sich, wenn die Krankheit ausgestanden ist. Auch das gehört zum Heilungsprozess. „Irgendwann beginnt man wieder nach vorne zu schauen – nicht auf die kommenden Jahre, aber auf die kommenden Tage“, sagt Anja Renz.
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