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Postareal morgen im Rat

Investition der Volksbank Braunschweig Wolfsburg am Bahnhof

Von Ingeborg Obi-Preuß, 28.11.2010

Braunschweig. Dass überhaupt etwas passieren soll rund um das trostlose Bahnhofsumfeld, das wird von allen Beteiligten begrüßt. Aber was und wie, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Morgen entscheidet der Rat über die Entwicklung „Postareal am Hauptbahnhof“.

Vor dieser Grundsatzentscheidung tagt erst das Präsidium der Industrie- und Handelskammer (IHK), anschließend die Vollversammlung. Deren Empfehlung schließlich wird an die Ratsfrauen und -herren geschickt, und ab 20 Uhr wird im großen Sitzungssaal diskutiert und abgestimmt.
Die Volksbank Braunschweig Wolfsburg plant einen „Brawo-Park“ mit Verwaltungshauptsitz der Bank im sanierten Toblerone-Hochhaus sowie ein neues Fachmarktzentrum drumherum (wir berichteten ausführlich in der nB am 10. November).
Aufgeschreckt von den Plänen ist besonders der Einzelhandel der Stadt. Der Arbeitsausschuss Innenstadt (AAI) sowie der Handelsausschuss der IHK mahnen, das Zentrenkonzept unbedingt beizubehalten.
Bedenken und Befürchtungen, die dazu geführt haben, dass die ursprüngliche Beratungsvorlage geändert wurde. Die geplante Verkaufsfläche wurde reduziert, mehrere Sortimentspläne zurückgezogen.
„Wir wollen niemandem in der Stadt mit diesem Projekt schaden“, sagt Vorstandssprecher Mark Uhde, „im Gegenteil, schließlich sind die meisten Einzelhändler unsere Kunden.“ Deren Wohlergehen sei der Bank sehr wichtig.
Die Zeit drängt, bis Montag, 0 Uhr, muss die Volksbank ihre Kaufentscheidung getroffen haben.
„Wir verhandeln seit Jahren immer um dieses Gelände“, sagt Voba-Sprecher Mark Uhde. Anfang des Jahres habe sich eine Möglichkeit konkretisiert, Verhandlungen mit dem Eigentümer, der Lone Star Investmentgesellschaft, waren erfolgreich. Ein Vorvertrag wurde geschlossen, morgen um Mitternacht muss die Entscheidung fallen. „Danach ist das Grundstück für uns weg“, sagt Uhde, „es soll auch andere Interessenten geben.“
Die Befürchtungen aus der Kaufmannschaft seien bei der Volksbank auf offene Ohren gestoßen. Die Gesamtfläche an Einzelhandel in dem geplanten Brawo-Park ist von 30 500 Quadratmetern auf 28 500 reduziert worden, der in einem Gutachten als kritisch eingestufte Elektrofachmarkt ist entfallen, ein geplantes Möbelhaus zurückgezogen. Dafür soll es jetzt einen Baumarkt geben sowie einen Markt für Teppiche, Lacke, Tapeten und Heimtextilien. Ein vollständiger Verzicht aber auf die Warengruppen Bekleidung, Schuhe, Lederwaren und Elektrotechnik im SB-Warenhaus wurde abgelehnt.
„Zusammengerechnet werden rund 80 Millionen Euro an Kaufkraft aus der Innenstadt in das geplante Zentrum abfließen“, sagt Volkmar von Carolath, Vorsitzender des Arbeitsausschusses Innenstadt (AAI). Große Ketten würden das verschmerzen, inhabergeführte Geschäfte aber den zusätzlichen Kaufkraftverlust nach der Errichtung der Schlossarkaden immer weniger verkraften. „Leerstände und eine austauschbare Innenstadt ausschließlich mit Filialgeschäften werden die Folge sein“, warnt Carolath.
Außerdem habe die weitere Ausdehnung des Einzelhandels keine Zukunftsperspektive, auch wenn die Braunschweiger Bevölkerung wachsen sollte, „das Umland verliert auf jeden Fall Einwohner, das werden wir merken.“
Von Carolath favorisiert ein Modell, das unter anderem auch von den Grünen im Rat empfohlen wird: „Die Volksbank kauft das Gelände und errichtet anstatt eines Einkaufszentrums eine Kongresshalle und ein dazugehöriges Hotel“, empfiehlt Grünen-Chef Holger Herlitschke. Und falls das für die Volksbank nicht durchführbar sei, solle die Stadt Teile des Geländes zurückkaufen und für die Kongressidee einen Investor suchen. Ein Vorschlag, den Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann nur kurz kommentiert mit dem Hinweis darauf, dass seit Jahren ein Investor für ein gehobenes Hotel für Braunschweig gesucht werde, sich aber bisher niemand gemeldet habe.
Als Ankermieter für das Toblerone-Hochhaus steht inzwischen die Arge fest. Über die Miethöhe gibt es Spekulationen, die Stadt soll einen gewissen Prozentsatz subventionieren. Dazu gibt Hoffmann keinen Kommentar, verweist aber darauf, dass Miethöhe immer mit der Lage zu tun habe. Und die Lage am Bahnhof sei sehr gut. Über Einzelheiten will er die Ratsfraktionen am Montag informieren. Dann – nach dem Votum der IHK-Vollversammlung – wird er auch die Haltung der Verwaltung bekanntgeben. Genau wie CDU, SPD und FDP. Hoffmann hatte immer betont, dass die Entscheidung für den „Brawo-Park“ nur mit großer Mehrheit getroffen werde.
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