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Nein zu Turbo-Abitur

Gesamtschulen protestieren gegen Beschluss

Von Birgit Leute

Braunschweig (leu). Die Gesamtschulen gehen auf die Barrikaden: Der Plan der Niedersächsischen Landesregierung, auch an dieser Schulform das Abitur nach zwölf Jahren einzuführen, löste heftigen Protest aus. „Das ganze Konzept vom gemeinsamem Lernen – die Grundlage aller Gesamtschulen – würde sich auflösen“, schimpft Andreas Meissner, Schulleiter der IGS Franzsches Feld. Auf einer Kabinettssitzung im Februar hatten Ministerpräsident Christian Wulff und Kulturministerin Elisabeth Heister-Neumann eine entsprechende Absicht verkündet.

Bisher wird das sogenannte „Turbo-Abitur“ nur an den Gymnasien umgesetzt. Die Integrierten Gesamtschulen waren von der Regelung ausgenommen – auch deshalb, weil das Konzept des gemeinsamen Unterrichts in der Sekundarstufe I in der Anlage erhalten bleiben sollte.
Im Zuge der Vereinheitlichung strebt die Landesregierung nun an, auch hier die Schulzeit von neun auf acht Jahre zu verkürzen. „Alle Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe sollen ab 2018 die Allgemeine Hochschulreife nach zwölf Schuljahren vergeben“, heißt es in der Kabinettsvorlage vom 24. Februar.
„Entscheidung fatal“
Für Schulleiter Andreas Meissner von der IGS Franzsches Feld ist diese Entscheidung „fatal“. „Das Abitur nach zwölf Jahren bedeutet, dass sich für einen Teil der Schüler in den Jahrgängen fünf bis zehn die Wochenstundenzahl erhöht“, erklärt er. Damit fiele allerdings das gemeinsame Lernen mit Kindern, die Empfehlungen für die anderen Schulformen haben, flach. „Gerade das aber gehört zum Kern der Gesamtschulen“, so Meissner. Zudem entstehe für Realschüler mit erweitertem Abschluss die kuriose Situation, dass sie die zehnte Klasse mit deutlich jüngeren Schülern wiederholen müssten. „Eine Diskriminierung“, schimpft Meissner.
Loccumer Erklärung
Mit seinem Protest steht der Schulleiter nicht alleine da. In einem Brief an Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann fordert auch die Wilhelm-Bracke-Gesamtschule in der Weststadt den Erhalt der 13-jährigen Schulzeit an Gesamtschulen.
Direktor Franz Rollinger unterzeichnete gemeinsam mit Kollegen anderer niedersächsischer Gesamtschulen die sogenannte „Loccumer Erklärung“: „Zur Zeit haben viele Eltern die Wahl, ihr Kind entweder für den Bildungsgang am Gymnasium anzumelden oder für den Bildungsgang an einer Integrierten Gesamtschule, der das Abitur nach dem 13. Jahrgang vorsieht. Eltern können dabei die persönlichen Bedingungen ihres Kindes berücksichtigen. Diese unterschiedlichen Wege zum Abitur müssen im Interesse der Eltern und ihrer Kinder erhalten bleiben“, heißt es in der Erklärung. leu
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