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Mit dem „Täterblick“ auf der Suche nach Schwachstellen

Die nB begleitete Kriminalhauptkommissar Peter Voiß auf seiner Beratungstour

Von Martina Jurk, 28.04.2010

Braunschweig. „Der Carport ist ein dunkles Loch, da können sich Einbrecher in aller Ruhe zu schaffen machen.“ Kriminalhauptkommissar Peter Voiß entgeht nichts. Er analysiert ein Einfamilienhaus im Stadtteil Melverode/Heidberg auf sogenannte Schwachstellen, die Tätern den Einstieg ins Haus erleichtern könnten.

Im Heidberg, in Melverode und Stöckheim wird gerade besonders oft eingebrochen. Die Nähe zur Autobahn ermöglicht den Tätern die schnelle Flucht. 14 Fälle registrierte die Polizei von Januar bis Ende März. Grund genug, dass die Beamten mit ihrem Infomobil jetzt auf dem Erfurtplatz standen, um die Bürger zu beraten.
Das wurde ausgesprochen rege in Anspruch genommen. Warum denn gerade in ihrem Stadtteil so oft eingebrochen würde, und wie sie sich davor schützen könnten, wollten viele Einwohner wissen. Nach knapp drei Stunden hatten sich bereits 30 Interessenten in die Terminliste für die kostenfreie Schwachstellenanalyse in ihrem Haus oder ihrer Wohnung eingetragen. „Im vergangenen Jahr haben wir insgesamt in Braunschweig 380 Vor-Ort-Beratungen, die jeweils eine bis eineinhalb Stunden dauerten, durchgeführt“, bilanziert Voiß.
Der Kriminalhauptkommissar betreut auch diejenigen, die Opfer eines Einbruchs geworden sind. Zwölf Betroffene hat der 56-Jährige seit Januar beraten. „Viele von ihnen sind traumatisiert“, sagt Voiß. Die Verletzung der Privatsphäre und das verlorengegangene Sicherheitsgefühl mache den meisten mehr zu schaffen als der materielle Schaden. Damit es nicht erst so weit kommt, gibt die Polizei Tipps, die übrigens in Deutschland seit 1921 präventiv berät.
Peter Voiß ist mit 38-jähriger Polizeierfahrung ein alter Hase. Er weiß, wie Täter ticken, wie sie ihre Tricks der modernen Zeit anpassen. Seit zweieinhalb Jahren ist er in der präventiven Beratung tätig.
Mit einem prüfenden Blick betritt er das Grundstück. An der Hauseingangstür des Flachbungalows wird er gleich fündig. „Hier muss ein größeres Schließblech hin“, macht er die Eigentümer aufmerksam und zieht aus seiner Aktentasche ein entsprechendes Musterexemplar heraus. Und Peter Voiß findet noch mehr. Die Bänder sind nicht gesichert. Der Täter kann die Tür leicht heraushebeln. „Hintergreifhaken anbringen“, rät der Experte.
Einbrecher kämen am häufigsten über Terrassentüren, Wohnungseingangstüren, Keller- und rückwärtige Fenster herein. Terrasse beziehungsweise Innenhof ist das Stichwort für Voiß. Kritisch mustert er das Metall-Gartentor: „Eine prima Aufstiegshilfe, um aufs Dach zu gelangen.“ Die Eigentümer sind geschockt. „Da wären wir nie drauf gekommen.“ Der Kriminalist rät, die Terrassentür deshalb besonders zu sichern und empfiehlt einbruchhemmende Beschläge anzubringen, an den Fenstern eine entsprechende einbruchhemmende Verriegelung. „Wir haben doch eine Alarmanlage installiert“, wundern sich die Hausbesitzer, dass die Fenster noch zusätzlich gesichert werden sollen. „Die meldet, wenn der Täter schon im Haus ist. Wir wollen ihn aber gar nicht erst drin haben“, begründet der Hauptkommissar. Das leuchtet dem Ehepaar ein. Mechanik gehe vor Elektronik, erklärt er. „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht“, stellt Voiß klar, aber man könne es dem Täter schwer machen, indem man die Widerstandszeit erhöhe. „Hat es der Einbrecher nach drei bis fünf Minuten nicht geschafft, gibt er auf“, weiß Voiß.
80 Prozent der Täter seien Gelegenheitseinbrecher, die hauptsächlich auf Bargeld und Schmuck aus seien. Die meisten Einbrüche würden am Tag und eben nicht in der Nacht passieren. Und ebenfalls 80 Prozent der Taten könnten bei richtigem Verhalten der Menschen verhindert werden, so die Polizeistatistik. „Verschließen Sie immer alle Fenster und Türen, wenn Sie aus dem Haus gehen, auch wenn es noch so kurz ist“, legt Voiß den Hausbesitzern ans Herz.
Für ihn ist eine gut funktionierende Nachbarschaft die beste Vorsorge. „Zeigen Sie potentiellen Tätern, dass das Wohngebiet belebt ist, dass hier aufgepasst wird. Haben Sie ein gesundes Misstrauen.“
„Wir haben wirklich wertvolle Tipps erhalten. Einiges können wir ohne großen Aufwand nachrüsten“, sagen die Eigentümer. Peter Voiß macht sich auf den Weg zum nächsten Beratungstermin. Sein Blick bleibt prüfend und kritisch.

Service: Die Beratungsstelle der Polizei ist erreichbar unter Telefon 4 76 20 05 montags bis freitags von 8.30 bis 15.30 Uhr zur Terminvereinbarung.
Die Schwachstellenanalyse ist kostenfrei und neutral und wird sowohl im privaten Wohnbereich als auch in gewerblichen Objekten durchgeführt.
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