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„Mir ging es ein Jahr lang schlecht“

Ex-Franchise-Nehmer fühlt sich vom Sandwich-Riesen Subway schlecht beraten – Gewerkschaft: „Prekäre Verhältnisse“

Von Martina Jurk, 17.01.2010

Braunschweig. Drei Braunschweiger Filialen der US-Sandwich-Kette Subway am Berliner Platz, in den Schloss-Arkaden und am Hagenmarkt haben dicht gemacht. Der Betreiber ist nicht zu erreichen. Das Unternehmen will zu den Gründen der Schließung öffentlich keine Stellung nehmen. Maik Kruse (Name von der Redaktion geändert) bricht das Schweigen. Auch er hatte sich mit Subway selbstständig gemacht. Er erzählt, warum auch ihm die Puste ausging.

Kruse führte 2005 die erste Subway-Filiale in Braunschweig überhaupt. Zehn Monate lang verkaufte der heute 28-Jährige die nach den Wünschen der Kunden belegten und durchaus begehrten Baguettes. Er wollte erfolgreich sein.
Seit langem kritisieren Gewerkschaft, der Deutsche Franchise-Nehmer-Verband und der Bundesverband Systemgastronomie, wie das US-Unternehmen mit seinen Franchise-Partnern umgeht. Maik Kruse kann das bestätigen: „Den Development Agents (Gebietsentwickler) geht es nur darum, Lizenzen zu verkaufen“, meint Kruse. Nach zwei Wochen Training und bestandener Prüfung sei man offiziell Franchise-Nehmer. 10 000 Dollar habe er für die Erstlizenz bezahlt. Heute kostet sie 10 000 Euro – eine Erhöhung um 50 Prozent. Die Agenten sollen die Franchise-Nehmer bei der Ladensuche beraten. „Die haben gar keine Ahnung davon“, sagt Kruse. Er werde tolle Umsätze machen, habe der Agent ihm in Aussicht gestellt. Im Nachhinein weiß Kruse, dass der Laden am Kohlmarkt gar nicht geeignet war. 140 000 Euro hat der Braunschweiger in den Umbau investiert. Das erschien ihm in Ordnung. Mit Investitionskosten für ein klassisches Subway-Restaurant zwischen 80 000 und 250 000 Euro habe er im guten Mittelfeld gelegen, meint er. Alles sei per Vertrag vorgegeben – wo die Ware und die Ausstattung bezogen werden dürfen, selbst der Umbau unterliege Vorgaben.
90 Prozent Kosten und zehn Prozent Gewinn, so der Plan – das rechne sich auf Dauer nicht. Allein 11,5 Prozent des Umsatzes musste er ans Unternehmen zahlen, im Klartext: 1000 Euro pro Woche Franchisegebühr. Ein Umsatzeinbruch, wie ihn Kruse erlebt hat, als der Kohlmarkt umgebaut wurde, bricht dem engagiertesten Sandwich-Beleger das Genick. „Vor allem dann, wenn man gerade erst eröffnet hat“, so Kruse. Es kam wie es kommen musste. „Ich konnte die Franchisegebühr nicht mehr bezahlen. Subway drohte mit Lizenzentzug.“ Laufende Kosten, aber keine Einnahmen mehr – ein Albtraum. „Mir ging es ein Jahr lang schlecht“, gibt Kruse zu. Das Unternehmen sei in keinster Weise verhandlungsbereit. Immer habe der Franchisenehmer den Laden runtergewirtschaftet, wenn es schief geht. „Das kann gar nicht sein“, meint Kruse, „es ist ja alles vorgegeben, alles genormt.“
30 Prozent der Subway-Filialen würden am Existenzminimum kratzen, vermutet der Präsident des Deutschen Franchisenehmer Verbandes (DFNV) Bernd Faßbender. Franchise-Nehmer, die in wirtschaftliche Schieflage geraten, seien meistens gezwungen, die Probleme an ihre Mitarbeiter weiterzugeben. „Der Stundenlohn der Mitarbeiter liegt unter dem branchenüblichen Tarif von 7,50 Euro. Es gibt keine Betriebsräte. Aus Angst, den Job zu verlieren, sagen viele Mitarbeiter lieber nichts. Das sind prekäre Verhältnisse“, sagt Manfred Tessmann von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Geschäftsführer der Region Südostniedersachsen Harzkreis. Wachsende Verzweiflung bei Menschen, die arbeitslos und in Geldnot sind, sei ein Grund, warum sich potenzielle Lizenz-Erwerber um Kopf und Kragen bringen würden, glaubt Tessmann. „In Zeiten von Hartz IV greifen viele nach jedem Strohhalm. Das Geld leihen sie sich bei Freunden oder Verwandten.“ Mitunter seien es auch gelernte Systemgastronome, die mit einem guten Konzept sogar einen Kredit bei der Bank erhalten. Den meisten würden die geringsten kaufmännischen Grundlagen fehlen.
Maik Kruse war und ist immer noch von dem System überzeugt. „Aber es müsste sich für die Betreiber lohnen“, meint er. Seinen zwei Festangestellten habe er ein „ordentliches Gastronomengehalt“ gezahlt, bis zu 18 Aushilfen beschäftigte er für sechs Euro pro Stunde. „Ich selbst habe jeden Tag mitgearbeitet, mitunter bis zu 14 Stunden“, sagt Kruse.
Subway kündigt an, in Kürze zwei Filialen in Braunschweig wiederzueröffnen. „Wir gehen davon aus, dass den Braunschweiger Bürgern schon bald wieder frisch belegte Subway Sandwiches sowie der gewohnt individuelle Service angeboten werden“, sagt Sprecherin Christina Westerhorstmann auf Nachfrage der nB.
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