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Massenandrang bei Infoabend

Geplantes Golf-Resort: Mascheroder gespalten

Von Martina Jurk, 17.02.2010

Braunschweig. Am geplanten Golf-Resort scheiden sich derzeit die Geister. In Scharen strömten gestern die Mascheroder zur Informationsveranstaltung. Der Bürgersaal war überfüllt.

Als der Veranstalter, der Zweckverband Großraum Braunschweig (ZGB), mit der Erläuterung des Raumordnungsverfahrens für das 90-Millionen-Euro-Projekt begann, versuchten sich noch immer interessierte Bürger in den Saal zu schieben und zu drängeln. Unmut machte sich breit. „Wir wollen da rein“, riefen einige. Aber nichts ging mehr. Mit einem solchen Ansturm hatte der Veranstalter nicht gerechnet: doppelt so viele Menschen wie hineinpassen, waren gekommen. Die wurden vertröstet auf einen zweiten Termin „innerhalb der nächsten 14 Tage“, versprach Ulrich Kegel vom ZGB.

„Das Projekt ist umwelt- und raumverträglich“, lautet das Fazit der Untersuchungen. Landschaftsplanerin Melanie Christoph von der Planungsgemeinschaft LaReG stellte die Ergebnisse der entsprechenden Studie vor.

Im Raumordnungsverfahren wird geprüft, ob und wie das Golf-Resort mit den raumordnerischen Erfordernissen vereinbar ist. Insbesondere wird das Vorhaben unter den Anforderungen von Tourismus, Freizeit und Erholung sowie Wasser, Natur und Landschaft auf seine Raumverträglichkeit geprüft.
Einem 59 000 Quadratmeter großen versiegelten Ackerbiotop stünden der Studie zufolge mit dem Bau der Anlage eine Vielzahl von Biotopen, eine Vermehrung der Waldflächen durch Aufforstung, eine Verbesserung der Grundwasserqualität und der Radwege, der Erhalt und der Schutz der Naturdenkmäler Winterschachtelhalmgebiet und Quelle Spring – kurz eine Erhöhung der Attraktivität und des Freizeitwertes der Stadt gegenüber.
Wegen des hohen Grundwasserspiegels würde auf eine Unterkellerung verzichtet. Es würden Maßnahmen ergriffen, um den Lebensraum der in dem Gebiet angesiedelten Tierarten nicht zu stören.
Nach gut einer Stunde waren die Bürger an der Reihe, ihre Fragen loszuwerden. „Es geht nicht um das Pro und Contra des Projektes, sondern um die Beantwortung von Fachfragen“, stellte Ulrich Kegel klar. Fragen wurden unter anderem zum Wohnraumbedarf, zur Finanzierung des Hotels, zum Baubeginn gestellt, aber auch Bedenken hinsichtlich des zukünftigen landwirtschaftlichen Betriebes geäußert. Kegel verwies auf die Möglichkeit, dass die Bürger weiterhin ihre Bedenken schriftlich äußern können.
Große Bauchschmerzen mit dem Vorhaben hat die Bürgerinitiative „Mascheroder Feldmark“, die Leitsätze gegen das geplante Golf-Resort formulierte und verabschiedete. Wertvoller Ackerboden dürfe nicht zur Spielwiese verkommen. „Die Golfanlage dient nur dem Investor, und Mascherode bekommt eine denaturierte Landschaft“, meint Professor Jens Sievers von der Bürgerinitiative. Die Mehrzahl der Mascheroder sei gegen das Resort, das habe eine nicht repräsentative Umfrage ergeben.
Für das geplante Hotel erstellt eine Hotelentwicklungsgesellschaft zurzeit eine Machbarkeitsstudie. Bewerber sowohl für das Investment als auch für den Betrieb gäbe es, sagte Projektentwickler Christian Arenz. „Er wird zu gegebener Zeit in Erscheinung treten“, antwortete Arenz auf die Frage nach einem Investor. Der studierte Golfbetriebswirt hält am geplanten Baubeginn 1. Oktober fest.
Um zeitnahe Vorlage belastbarer Unterlagen hat auch die Stadtverwaltung gebeten. Sie hält das geplante Golf-Resort für ein interessantes Projekt, habe aber bislang keine ausreichenden Informationen, um sicher prognostizieren zu können, ob es gute Realisierungschancen hat. Arenz ist sicher, dass die Anlage wirtschaftlich ist. Die Vorprüfungen der Machbarkeit des Hotels seien positiv.
Die Verfahrensunterlagen können bei der Stadt Braunschweig, bei der Stadt und beim Landkreis Wolfenbüttel sowie beim Zweckverband Großraum Braunschweig eingesehen werden. Zusätzlich werden alle Gutachten, Texte und Karten im Internet unter www.zgb.de Raumordnungsverfahren veröffentlicht. Das Raumordnungsverfahren endet nach sechs Monaten mit der landesplanerischen Feststellung.
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