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Marode, hässlich, unbequem

Der „graue Koloss“, in dem heute die IGS Franzsches Feld untergebracht ist, spricht die typische Architektursprache des NS-Regimes. Er war das Verwaltungsgebäude des Luftwaffenkommandos 2. oh

Der Tag des offenen Denkmals am 8. September öffnet den Blick für Widersprüchliches.

Von Marion Korth, 03.09.2013

Braunschweig. Was hat ein 70er-Jahre-Hochhaus auf dem TU-Gelände mit dem Kolonialdenkmal im Prinzenpark zu tun? Was die mittelalterliche Kemenate an der Hagenbrücke mit dem Bunker Kralenriede?

Aus unterschiedlicher Sicht heraus stellt sich bei allen die Frage: „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“. Das etwas rätselhafte Motto des Tags des offenen Denkmals am kommenden Sonntag (8. September) birgt das Versprechen auf viele interessante Antworten in sich.
Ob ein Denkmal nicht immer unbequem ist, weil es als Ort der Ermahnung oder Erinnerung zwei Seiten hat, will Stadtheimatpfleger Reinhard Wetterau mal dahingestellt sein lassen. Er ist einfach froh, dass er in Schulleitern, Architekten, Historikern, Bauhistorikern, je einem Stiftungsdirektor, Heimatpfleger und Denkmalpfleger fachkundige Menschen gefunden hat, die Licht auch ins unbequeme geschichtliche Dunkel bringen können.
Thematischer Schwerpunkt der insgesamt elf Stationen sind Bauten, die einen direkten Bezug zur Nazizeit haben, der ihnen oft genug auch äußerlich anzusehen ist. Da sind Monumentalbauten wie das Haus der Wissenschaft an der Pockelsstraße, das Wetterau persönlich „hochinteressant“ findet, oder die heutige Integrierte Gesamtschule Franzsches Feld, aber auch ein Fachwerkbau im Heimatschutzstil wie am ehemaligen Jägerhof in der Buchhorst zu sehen. Typisches und Stilbrüche, die Geschichte der Häuser und das, was sie für die Stadtgeschichte bedeutsam macht, sollen beleuchtet werden.
Nicht allein der Geschichtsbezug macht ein Denkmal zum unbequemen Denkmal: Die Kemenate stand dem Straßenausbau an dieser Stelle im Wege, um Platz für Autos zu machen, war sogar ihre Versetzung an einen anderen Ort diskutiert worden. Beim Entreegebäude der Schneidervilla auf der Charlottenhöhe, in der das Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte untergebracht ist, ist es der Sanierungsbedarf des Gebäudes in städtischem Besitz (die Villa gehört dem Land), die es zu einem Problemfall macht. Auf dem Gelände des Landesbildungszentrums gastiert übrigens der Zirkus Baldoni, auch gibt es Spielplatzgeräte, sodass sich diese Station besonders für Familien mit Kindern anbietet, ebenso wie das Haus der Braunschweigischen Stiftungen, in dessen Garten im Rahmen des zeitgleich stattfindenden Magnifestes Kinderaktionen angeboten werden. Da die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, zu deren Aufgabe auch der Erhalt bedeutender Bauwerke gehört, erst nach Drucklegung der Informationsbroschüre hinzugekommen ist, fehlt die Station elf in dem Flyer. Ab 15 Uhr findet dort eine Führung statt.
Die Broschüre ist unter anderem in der Tourist-Info am Burgplatz oder auch der Bürgerberatung im Rathaus erhältlich. Darin sind ansonsten alle Stationen für die persönliche Routenplanung am Tag des offenen Denkmals sowie Führungstermine angegeben.
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