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Lebensfreude und spitze Stiefel

Das Comicheft Yps mit Gimmick, hier eine zusammenrollbare Sonnenbrille, war Kult.

Die 19-jährige Jenny Sowa hat eine Ausstellung über die 1980er Jahre gemacht.

Von Marion Korth, 21.08.2013

Braunschweig. Jahrgang 1993, Jenny Sowa ist gerade 19, die 1980er Jahre kennt sie nur vom Hörensagen. Bislang jedenfalls. Zum Abschluss ihres Freiwilligen sozialen Jahrs im Städtischen Museum präsentiert sie seit gestern ihre erste eigene Ausstellung. „Jennys Ausstellung“, so lautet der Titel, das Thema sind die 80er.

„So lange ist das ja noch gar nicht her“, sagt sie und wundert sich trotzdem über manches: Computerkassettenlaufwerke, mehrere Kilo schwere Laptops, die merkwürdige Mode. „Die ist nicht so mein Ding“, sagt sie. Mit einer Ausnahme: Leggins trägt auch sie ganz gern, nicht aber die schwarzen Stiefel mit den ultralangen Spitzen, wie sie jeder „Waver“, der etwas auf sich hielt, haben musste.
Jenny Sowa hat im vergangenen Sommer ihren Realschulabschluss im Heidberg gemacht, beruflich zieht es sie eher ins Handwerk: Tischlerin, Klavierbauerin, etwas in diese Richtung. Mit dem Wunsch-Ausbildungsplatz hat es nicht gleich geklappt, deshalb hat sie das Freiwillige Jahr eingeschoben, wollte unbedingt ins Städtische Museum, wo es um Stadtgeschichte geht. „Ich interessiere mich für Braunschweig, habe schon viele Bücher gelesen.“ Und auf Facebook-Seiten geblättert, dort las sie zum ersten Mal über die Bohlwegzeiten und den dazugehörigen „Fanclub“ um Ole Schulz-Weber, der damit begonnen hat, alles aus den 1980er Jahren in Braunschweig zu sammeln und sogar ein Buch herausgegeben hat. Konzerttickets von den Ärzten, Atari-Spielkonsolen, Yps-Hefte (die mit dem Gimmick), Buttons und Jolly-Joker-Aufkleber: Praktisch alle Exponate, die bis zum 1. September im Altstadtrathaus gezeigt werden, sind Leihgaben der Bohlweg-Gruppe. Cowboystiefel und Werner-Comics hätte Museumsdirektorin Cecilie Hollberg beisteuern können, aber das hat sie erst gestern bei der Ausstellungsvorbesichtigung verraten.
Über die gute alte Zeit des Punks kam Jenny mit ihrer Mutter ins Gespräch. Was die 1980er Jahre ausmacht? „Diese Lebensfreude“, sagt Jenny. Und die Möglichkeit, jedes Jahr etwas Neues zu entdecken, einen neuen Computer, eine neue Spielekonsole. „Jetzt warten wir nur noch auf die neueste Windows-Version.“
Das Freizeit- und Bildungszentrum, kurz FBZ, wurde 2002 geschlossen und 2009 abgerissen, bevor Jenny davon richtig etwas mitbekommen hatte. Wenn sie eine Zeitreise in die 80er machen könnte, würde sie aber etwas anderes interessieren: „Der Mauerfall, den hätte ich gern miterlebt.“
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