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Kuscheln statt Strenge: „Wir arbeiten immer auf Augenhöhe“

Stefanie und Dietmar Kutzner leiten seit 2009 ein Kinder- und Jugendhaus in Groß Brunsrode

Von Alexandra Wolff, 10.02.2010


Lehre. Kinderheim? Das klingt immer noch nach strengen Heimleitern, nüchternen Zimmern und Einheitsuniformen. Stefanie und Dietmar Kutzner hingegen haben in Lehre, genauer im Ortsteil Groß Brunsrode, ein Kinder- und Jugendhaus gegründet, das diesem Klischee ganz und gar nicht entspricht.

In zwei großen Häusern wohnen jeweils sechs Kinder mit geistigen und/oder seelischen Behinderungen, schweren Verhaltensauffälligkeiten aufgrund erlebter Traumata sowie chronischen Erkrankungen in einer Familien- und einer Wohngruppe mit eigenen und liebevoll eingerichteten Zimmern.
„Wir arbeiten immer mit den Kindern auf Augenhöhe“, so die Kinderkrankenschwester, Sozialpädagogin, Familientherapeutin und Mediatorin Kutzner. „Bei uns gibt es keine Distanz. Wir kuscheln mit den Kindern, treten mit ihnen in Beziehung. Das ist mehr Wert als tausend Worte.“
Die Kutzners arbeiten auch mit den Eltern zusammen. Sie können in dem Kinder- und Jugendhaus, Am Cassebusch 10, übernachten und ein Familienbuch führen. Dort sollen sie schöne Erlebnisse mit den Kindern festhalten. „Sie vergessen sonst die kleinen Dinge: Kuscheln, Spieleabende, Spaziergänge durch die Natur, Fahrradtouren, Grillen oder Fußballspielen.“
Neben dem pädagogisch-therapeutischen Aspekt ergänzt Sport die Therapien. Durch langjährige Erfahrung weiß das Ehepaar, dass körperliche Betätigung die Stimmung aufhellt, Aggressionen abbaut und die Kinder weniger Medikamente benötigen. Die jungen Menschen können sich auch im geschützten Rahmen des Kinderhauses sportlich erproben. Die sieben Pädagogen, Honorarkräfte und der Zivildienstleistende schauen, welche Sportart zu wem passt.
„Der Spaßfaktor spielt eine große Rolle“, sagt Kutzner. Im Sportraum gibt es eine Tischtennisplatte, einen Punchingball und verschiedene Fitnessgeräte, finanziert von der Kroschke-Stiftung und der Volksbank Braunschweig Wolfsburg. Draußen können sich die Kinder auf einem Riesentrampolin und in einem Matschbereich austoben. Eine Wippe folgt.
Die Devise könnte lauten: Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen anfängt. Die Kinder dürfen alles tun, wonach ihnen ist. An diesem Tag sitzen manche auf den Tischen, ein vierjähriger Junge schnitzt. Das fördert das Selbstbewusstsein. Gleichzeitig achten alle Mitarbeiter darauf, dass die Kinder die Grenzen der anderen bewahren und nicht in Gefahr geraten. Die Erzieher halten die Kinder in ihren Grenzen ohne zu schimpfen.
„Unser Konzept orientiert sich an der Montessori-Methode“, sagt Kutzner. „Hilf mir, es selbst zu tun“ lässt sich diese Methode kurz auf ein Motto bringen.

Service:
Das Kinder- und Jugendhaus in Groß Brunsrode wird unter anderem von pädagogischen und psychologischen Fachkräften sowie einer Kinderkrankenschwester betreut. Es hat zwölf stationäre und zwölf teilstationäre Plätze. Das Aufnahmealter liegt bei 0 bis 17 Jahren, die Betreuung reicht bis zur Verselbständigung. Telefon 05308/20 49.
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