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„Kurzweyl“ aus dem Mittelalter

Marktspektakel noch bis Pfingstmontag auf dem Burgplatz – Trubel zum gestrigen Auftakt.

Von Birgit Leute, 12.06.2011

Braunschweig. Gute Laune macht sich bezahlt – zumindest was den Mittelalterlichen Markt betrifft. Bald nach der Eröffnung am Sonnabend schafften es Ritter und Spielleute mit ihren frechen Scherzen den hartnäckigen Regen zu vertreiben.

Mit ordentlichem Getöse hielten die rund 150 Darsteller der Kumpanei „Kramer, Zunft und Kurzweyl“ Einzug auf dem Burgplatz. Noch bis Pfingstmontag laden sie ein zu einer Zeitreise ins Jahrhundert Heinrichs des Löwen. Und das war gar nicht so ohne: Mit klirrenden Schwertern und martialischem Geschrei gab die böhmische Ritterschar Hartigo schon einmal einen Vorgeschmack auf das Programm der kommenden Tage. Dass Kämpfe, Gesang und Späße nicht ausarten, dafür sorgt Vogt Leonhard vom Frontschloss. „Wir sind hier, um Gericht zu halten und dem Volk die Leviten zu lesen“, hob er warnend den Zeigefinger.
Stellvertretend für die Obrigkeit von Braunschweig begrüßte Bürgermeisterin Friederike Harlfinger am Sonnabend die Besucher – selbstverständlich stilecht in wallendem blauen Kleid. Auf dem Mittelalterlichen Markt, der in diesem Jahr unter dem Motto „Spielmannswucht, Possenspiel und Ritterglanz“ steht, wird eben nicht nur so getan „als ob“: Die Zuschauer lernen auch eine ganze Menge über traditionelle Handwerkstechniken an Originalgeräten. Johannes Brenner ist aus dem nordrhein-westfälischen Sauerland angereist und zaubert an einer Wippdrehbank aus rohen Klötzen Schüsseln und Becher, Kreisel und Kugeln. Mitmachen ist bei dem kernigen Mann mit Rauschebart und grünem Leinenkittel ausdrücklich erwünscht, und so bastelte die neunjährige Josephine am Sonnabend an der Kinderdrechselbank einen Kerzenleuchter. Vorsichtig ritzte sie mit Hilfe einer Feile schmale Rillen in ein weißes Holzstück, immer begleitet von Brenner, der vorsichtig ihre Hand führt. Der siebenjährige Tim versuchte sich dagegen als Bogenschütze – und traf, voll konzentriert und mit zugekniffenem Auge, auf den äußeren Ring der Scheibe. Applaus von den Großeltern, die zusammen mit ihm und seinem Bruder zum Mittelalterlichen Markt gekommen waren und sich die bunten Buden mit allerlei Filz- und Lederwaren, Kerzen, Schmuck und, nicht zu vergessen, kulinarischen Ideen ansahen. Vor allem bei Rittersleuten und Büttel Molinarius floss der Met am Nachmittag reichlich...
Traditionell wandelt sich das bunte Treiben aus Gauklern, Tänzern und Possenreißern am Abend noch einmal. Dann erwartet die Erwachsenen nach einem beeindruckenden Feuerspektakel eine eher schaurige Atmosphäre mit dem Einzug der Pest.
Bis zum Marktende am Pfingstmontag werden vom Stadtmarketing als Veranstalter mehrere Tausend Besucher aus der ganzen Region erwartet.
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