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Krippenausbau hat Vorrang

Lücke bei der Ganztagsbetreuung

Von Marion Korth, 18.04.2010

Braunschweig. 2000 Krippenplätze bis 2013 – das hört sich gut an. „Da wird gebaut, um dem gesetzlichen Anspruch zu genügen, aber das lähmt die anderen Bereiche“, sagt Gerald Kühn, Vorsitzender des Stadtelternrates Kindertagesstätten der nB.

„Das ist eine Frage der Ressourcen, die Kommunen haben nur begrenzt Geld, und der Krippenausbau geht vor“, bestätigt Sozialdezernent Ulrich Markurth. In diesen Tagen laufen die Zahlen aus den Kindertagesstätten in der Stadtverwaltung zusammen. Markurth weiß schon jetzt, dass zwischen Angebot und Nachfrage, besonders was die Ganztagsbetreuung betrifft, eine Lücke klafft. Ob die angesichts der Finanzlage geschlossen werden kann, sei fraglich.
Wer berufstätig ist, kommt mit vier Stunden Betreuungszeit, auf die die Kinder zwischen drei und sechs Jahren einen Anspruch haben, kaum aus. Das gilt auch für Katrin Keßler. Ein Einzelbeispiel:

Bis vor wenigen Tagen quälende Ungewissheit: Vergeblich hatte Katrin Keßler (38) bis dahin für ihren dreijährigen Sohn Elias nach einen Ganztags-Kindergartenplatz gesucht. Sie ist alleinerziehend, hat einen Vollzeitjob an der TU. Ohne Betreuung kann sie ihre Berufstätigkeit vergessen.

Im Herbst vergangenen Jahres war sie von einem Auslandsaufenthalt in Israel zurückgekehrt, hatte ihren Sohn sogleich bei drei Kindergärten in ihrer Nähe angemeldet, später noch bei zwei weiteren. Auf eine Zusage wartete sie vergeblich. Im Kindergarten St. Magni erfuhr sie, dass für sieben freie Ganztagsplätze 50 Anmeldungen vorlägen.
Katrin Keßler rief schließlich bei der Stadt an. „Den gesetzlichen Anspruch hat Elias, aber der bezieht sich auf vier Stunden Betreuungszeit“, sagt sie. Die Mitarbeiterin im Jugendamt hätte ihr sofort zugesichert, dass sie auf jeden Fall einen Halbtagsplatz für Elias bekommen werde. Aber wie die restliche Zeit abdecken? „Meine Eltern wohnen nicht in der Nähe, sonst wäre das eine Möglichkeit gewesen“, sagt die 38-Jährige. An eine Tagesmutter habe sie auch gedacht. Aber dann wäre die Frage, wer bringt Elias nach vier Stunden vom Kindergarten dahin?
Darüber muss sie sich jetzt nicht mehr den Kopf zerbrechen. Am Donnerstagmorgen meldete sich das Jugendamt bei ihr. „Im Volkskindergarten Hinter Aegidien wird ein Ganztagsplatz frei, da kann Elias hin“, freut sich seine Mutter. Sie ist total erleichtert, der Druck ist endlich weg.
Bislang besucht ihr Sohn die Krippe des Studentenwerks, aber aufgrund seines Alters muss er die Krippe im Sommer verlassen. Vor diesem Tag hatte ihr gegraut, jetzt ist das Thema – zumindestens für sie persönlich – erledigt.
„Die Betreuungsversorgung der Drei- bis Sechsjährigen wird mit nahezu 100 Prozent betitelt, aber das gilt eben nicht für den ganzen Tag“, erläutert Gerald Kühn, Vorsitzender des Stadtelternrates für die Kitas. Im Ganztagsbereich würden Lücken bestehen. „Und das wird noch dramatischer, wenn man sich die Schulkindbetreuung anschaut.“ Zumindest in den ersten Schuljahren seien berufstätige Eltern oder Alleinerziehende auf zusätzliche Betreuung angewiesen. Die Stadt hat die Zahl der offenen Grundschulen, in denen die Kinder auch nach dem Unterricht noch bleiben können, deutlich erhöht. „Da tut sich etwas“, sagt Kühn anerkennend.
„Nur ein Viertel der Kinder wird vier Stunden betreut, der Trend geht eindeutig zu einer zeitlichen Ausweitung“, sagt Sozialdezernent Ulrich Markurth. Nicht alle Eltern könnten ihren Betreuungswünschen gemäß versorgt werden. Die Stadt ist gesetzlich nicht dazu verpflichtet, diesen Bedarf zu decken, auch wenn sie es trotzdem versucht. Die finanzielle Hilfe ist gering: Fünf Prozent zahlt das Land, den Bärenanteil die Stadt. Und jetzt tut sich mit dem vom Bund geforderten Ausbau der Krippenplätze noch eine neue riesige Baustelle auf.

Service: Für Eltern, die einen Kindergartenplatz suchen, hat die Stadt folgenden Hinweis. Grundsätzlich empfiehlt es sich für Eltern, sich ab September/Oktober des Vorjahres bei der gewünschten Kindertagesstätte anzumelden. Bei Fragen oder Problemen kann jederzeit auch die „Kundenserviceberatung Platzvermittlung“ des Fachbereiches Kinder, Jugend und Familie (Telefon 4 70 84 95), Eiermarkt 4-5, kontaktiert werden. Die Mitarbeiter dort haben einen Überblick über freie Kapazitäten, geben Tipps und helfen, wenn sich, wie im vorliegenden Fall, kurzfristig herausstellen sollte, dass die gewünschte Kita doch keinen Platz hat. Dies habe sich bewährt, es könne in der Regel immer ein Platz gefunden werden, meistens auch wohnortnah.
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