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„Kreativer ohne Fernsehen“

Aktuelle Schuleingangsuntersuchung stellt fest: 18 Prozent der Kinder mit eigenem TV-Gerät.

Von Marc Wichert, 11.01.2012

Braunschweig. TV statt Topfschlagen: Mehr als 18 Prozent der Kinder im Vorschulalter haben mittlerweile einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer stehen. Welche Auswirkungen das hat, zeigt die aktuelle Braunschweiger Schuleingangsuntersuchung.

Insgesamt hatte das schulärztliche Team des Gesundheitsamtes 2022 Jungen und Mädchen untersucht, die im Jahr 2011 schulpflichtig geworden sind. Erstmals wurden die Eltern in einem Fragebogen nach einem TV-Gerät in den Kinderzimmern befragt.
Von den 2022 Kindern hatten 350 einen eigenen Fernsehapparat. Für die Leiterin des Gesundheitsamtes eine bedenkliches Ergebnis. „Die kognitive Entwicklungsfähigkeit wird durch das Fernsehen beeinträchtigt“, sagte Dr. Sabine Pfingsten-Würzburg bei der Vorstellung der Ergebnisse. Wichtige Fähigkeiten wie Sprache, Motorik und Konzentration seien bei Kindern mit hohem TV-Konsum häufiger eingeschränkt. Zahlreiche Studien hätten das bislang bewiesen. Auch die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung mit den Braunschweiger Kindern im Alter zwischen fünf und sechs Jahren lassen auf einen Zusammenhang zwischen Fernsehkonsum und Entwicklungsdefiziten schließen, sagte Dr. Claudia Jahnke, Leiterin des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes des Gesundheitsamtes. „30 Prozent der zur Zurückstellung empfohlenen Kinder haben einen Fernseher in ihrem Zimmer.“ Von den uneingeschränkt schulfähigen Kindern hätten hingegen nur 13 Prozent ein eigenes TV-Gerät.
Als Grund für mögliche Entwicklungsdefizite nennt Dr. Pfingsten-Würzburg unter anderem die schnelle Bildabfolge im Fernsehen. „Das überfordert die Kinder.“ Zudem könnten sie sich innerlich nicht von den Inhalten distanzieren, sondern erkennen die gezeigte Welt als Wirklichkeit. Die Fähigkeiten zu einem selbstbestimmten Leben verkümmerten. „Bücher und Geschichten dagegen forderten Phantasie und Kreativität, weil sie Bilder im Kopf entstehen lassen“, sagte Pfingsten-Würzburg.
Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Die Kinder mit eigenem TV-Gerät seien häufiger übergewichtig, weil sie sich zu wenig bewegten, wobei insgesamt ein leichter Rückgang der übergewichtigen Kinder festgestellt wurde. Für Schul- und Sozialdezernent Ulrich Markurth gilt es daher, von Seiten der Stadt noch mehr Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche anzubieten. Auch Sportvereine seien eine sinnvolle Alternative zum TV-Nachmittagsprogramm.
„Und Eltern müssen sich die Frage stellen, wie sie ihr Kind auf die Mediengesellschaft vorbereiten?“ Als Hilfe für Eltern hat das Gesundheitsamt Tipps zum Umgang mit Fernsehen und Computer zusammengestellt. Auch im Internet gibt es Service-Seiten mit umfangreichen Informationen zum Thema Kinder und Fernsehen: www.flimmo.de; www.schauhin.de; www.usk.de.
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