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Knochenjob: Wale in Bewegung

Wie das Skelett eines Finnwals in die Ausstellungshalle im Rebenpark bugsiert wird.

Von Martina Jurk, 10.08.2011

Braunschweig. „Etwas mehr nach links“, ruft ein Arbeiter von oben herunter. „Etwas“ bedeutet für den Gabelstaplerfahrer acht Meter tiefer einige Zentimeter. Geladen hat er den fünf Meter langen und 600 Kilogramm schweren Schädel eines Finnwals. Der Beginn eines Knochenjobs.

Das gesamte knapp 19 Meter lange Finnwalskelett ist das größte Objekt der Sonderausstellung „Wunderbare Wale“ des Naturhistorischen Museums, die am 1. Oktober im Rebenpark beginnt. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Es geht eine der heikelsten Aufbauarbeiten über die (Hebe-)Bühne. Die ehemalige Schuberth-Werkhalle ist vom Museum gemietet worden für solche Projekte. Die Dinos waren dort bereits beheimatet, jetzt die Wale, und dann kommen die Elefanten. „Alles große Tiere, die Platz brauchen“, sagt Pressesprecherin Silke Röhling. „Die Ausstellung wird toll“, blickt sie voraus. Sie bestehe aus Inszenierungen, interaktiven Stationen, einem Kino und mehr. Auf der Empore werde es ein Café, eine Kinderecke und einen Shop geben.
„Wale sind ein populäres und spannendes Gebiet. Über sie hat es in den vergangenen Jahren viele Erkenntnisse gegeben“, erläutert Museumsdirektor Professor Dr. Ulrich Joger, wie es zur Idee für die Ausstellung kam. Das Leben der Wale spiele dabei die Hauptrolle. Die Botschaft: „Es gibt intelligente Wesen neben den Menschen, die völlig anders leben“, so der Direktor.
Das Finnwal-Weibchen strandete im Dezember 1984 auf der Hamburger Hallig und verendete einen Tag später. Die Kollision mit einem Schiff wird als Todesursache vermutet. Mit einem Spezialtransporter für Panzer der Bundeswehr wurde das 40 Tonnen schwere Tier in die Abdeckerei in Horstedt gebracht. Das Skelett kam ins Zoologische Museum nach Kiel.
Inzwischen „schwebt“ der Finnwalschädel vor der Einstiegsluke, die eigens für dieses Skelettteil in die Hallenwand gebrochen wurde. In keinen Aufzug, durch kein Treppenhaus hätte es gepasst. Mehrmals nimmt der Stapler Anlauf, um die Palette genau in die Mitte zu zirkeln. Zehn Zentimeter zwischen Palette und Wand. Die hölzerne Schädelunterlage knarrt beim Hineinschieben. Bis ins Treppenhaus sind die Töne zu hören, die fast wie Walgesänge anmuten.
Endlich ist es geschafft. Weitere Skelettteile und mehr als 90 Knochen folgen. Unter der Regie von Projektleiterin Annika Simon werden sie dort abgelegt, wo der Finnwal später in der Ausstellung seinen Platz haben wird. Noch einmal wird es schwierig. Auch ein 13 Meter langes und fast anderthalb Tonnen schweres Pottwalskelett muss durch das Loch in der Wand.
Kamerateams filmen das eifrig. Der elfjährige Lukas hält alles mit seinem Fotoapparat fest. Franziska G. hat am Morgen von der Ankunft des Skelettes im Radio gehört. „Ich habe gleich meinem Enkel Bescheid gesagt, und wir sind hergekommen“, erzählt sie. „Wir haben gefragt, ob wir zuschauen dürfen. Das ist doch spannend“, ist Lukas Oma euphorisch. Der Elfjährige ist Museumsfan und oft dort – nicht nur, weil er gleich gegenüber wohnt. „Ich habe schon mal eine Kornnatter gefunden und sie dann im Museum abgegeben. Jetzt darf ich sie immer besuchen kommen“, erzählt Lukas. Er sei gespannt auf die Ausstellung. Bei den Dinos sei er auch gewesen.
Am 30. September, einen Tag vor der offiziellen Eröffnung, werden er und andere Kids mit ihren Eltern beim Kindernachmittag voll auf ihre Kosten kommen.
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