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Kneipen werden Raucherlokale

Gäste kehren in die „Eckkneipen“ zurück – Mundlos: „Weitere Ausnahmen wird es nicht geben“

Von Annette Heinze


Braunschweig. Das Rauchen in „Eckkneipen“ ist wieder erlaubt. Das hat jetzt die Landesregierung nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts entschieden. Nach dem Inkrafttreten des Nichtraucherschutzgesetzes am 1. August 2007 galt in den so genannten Einraumkneipen Rauchverbot.

„Die haben ja weiterrauchen lassen“, sagt ein Kenner der Kneipenszene der Stadt. Vielfach seien auch nach Inkrafttreten des Nichtraucherschutzgesetzes die Aschenbecher stehen geblieben. Jetzt ist das Rauchen in den typischen Eckkneipen wieder legal.
„Generell begrüßen wir das seitens des Dehoga“, sagt Carius Novák, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Braunschweig. In der Stadt seien zirka 30 kleine Kneipen vom Rauchverbot betroffen gewesen, schätzt der Gastronom. Durch die neue Regelung blieben Arbeitsplätze und wirtschaftliche Existenzen erhalten: „Es gab mehrere Kneipen, die mit dem Rücken an der Wand standen“, sagt der Dehoga-Vorsitzende.
Um 40 bis 45 Prozent sei ihr Umsatz durch das Nichtraucherschutzgesetz eingebrochen, sagt Ingrid Cleve, Wirtin der Kneipe „Das Fässchen“ am Nibelungenplatz. Die 64-jährige Gastronomin wollte hinschmeißen, hatte bereits alle Verträge gekündigt: „Es hatte keinen Zweck mehr, die Gäste sind einfach weggeblieben“, sagt Cleve. Sie habe in den vergangenen Monaten weiterrauchen lassen und deshalb in ständiger Angst vor Anzeigen gelebt, bekennt die Wirtin: „99 Prozent meiner Gäste sind Raucher, mein Mann und ich auch. Die Kneipe ist wie unser zweites Wohnzimmer. Jetzt braucht keiner mehr die Zigaretten zu verstecken.“ In den vergangenen Monaten sei ihr Lokal deutlich leerer gewesen. „Alle sind wieder da“, sagt Cleve über ihre Kunden.
Der Erlass bedeute im Grunde eine Regulierung der Regulierung und einen höheren bürokratischen Aufwand, sagt Adrian Foitzik von der Pressestelle der Stadt. „Wir prüfen genauso wie bisher“, sagt Foitzik. Die Anzahl der Anzeigen und erfolgten Bußgeldbescheide seit November sei niedrig gewesen: „Wir gehen davon aus, dass es so problemlos weitergeht.“ Die Höhe der Bußgelder habe in der Regel bei 100 Euro für die Wirte sowie bei 50 Euro für Gäste gelegen.
Weitere Ausnahmen vom Nichtraucherschutzgesetz werde es in Niedersachsen nicht geben, kündigte die CDU-Landtagsabgeordnete Heidemarie Mundlos in einer Stellungnahme an. Gastwirte, die in Raucherräume investiert hätten, könnten gewiss sein, dass sie dieses Angebot weiterhin ihren Gästen bieten könnten, so Mundlos.
Die Wirte kleiner Kneipen, wie Ingrid Cleve, hoffen nun, dass die neue Regelung nicht wieder gekippt wird. Möglich sei auch ein absolutes Rauchverbot in allen Lokalen, formulierte das Bundesverfassungsgericht. Die Landesregierung will die Regelungen bis Ende 2009 erneut prüfen.
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