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Kein Tabu, aber oft abgetan

Dreitägiger Urologenkongress klärte über Krebserkrankungen auf

Von Birgit Leute


Braunschweig. Verdrängt, verschwiegen, heruntergespielt. Am gestrigen Sonnabend endete der dreitägige Nordkongress der Urologen in der Stadthalle. Rund
800 Ärzte und medizinisches Fachpersonal hatten sich in Braunschweig versammelt, um über Themen zu diskutieren, die – vor allem von Männern – lieber beiseite geschoben werden.

Unter dem Motto „Wissen teilen – Nachwuchs fördern“ standen unter anderem Prostatakrebs, Inkontinenz, Nierensteinleiden und unerfüllter Kinderwunsch auf dem Programm.
„Urologische Beschwerden sind längst nicht mehr so ein Tabuthema wie noch vor zwanzig Jahren“, sagt Professor Peter Hammerer, Chefarzt am Klinikum und Präsident des Kongresses. Sepp Meyer, Roger Moore, Lance Armstrong – eine ganze Reihe Prominenter, so der Spezialist, hätten inzwischen ganz offen über ihre Krebserkrankung gesprochen. „Dennoch: Insbesondere Männer gehen erst zum Arzt, wenn es drückt und zwickt und manchmal vielleicht schon zu spät ist“, rüttelt er auf.

Jeder achte Mann in Deutschland, so Statistiken zufolge, erkrankt inzwischen irgendwann in seinem Leben daran. Allerdings rufen nicht sie in den Praxen an, wenn sie Beschwerden haben, sondern meistens die Ehefrauen. „Ich hätte gerne einen Termin für meinen Mann.“ Schon oft hat Peter Hammerer diesen Satz in seiner Laufbahn gehört. Männer, so der seit 2003 am Klinikum arbeitende Mediziner lächelnd, gäben halt gerne vor, „nie krank zu sein“. Die Zahlen belegen allerdings etwas anderes.
Prostatakrebs hat inzwischen den Lungenkrebs überrundet und zählt zu den häufigsten sogenannten malignen Tumoren des Mannes. Und die Betroffenen werden immer jünger. Hammerer: „Früher waren vor allem Sechzig- bis Siebzigjährige betroffen, heute sind es bereits Vierzigjährige.“
Wo die Ursachen dafür liegen, können auch die Ärzte nur mutmaßen. Ein Auslöser ist wahrscheinlich ein hoher Fleisch- und Fettkonsum, „ein anderer die familiäre Belastung“, sagt Hammerer über den Stand der Forschung. Anlässlich eines öffentlichen Informationstages während des Kongresses warben er und seine niedergelassenen Kollegen bei den Gästen für Vorsorgeuntersuchungen.
„Die Kontrolle, ob Bluttests, Ultraschall oder Abtastung sind völlig schmerzfrei“, räumt Hammerer Vorurteile aus dem Weg. Die Kosten für einen solchen Bluttest werden vermutlich ab 2010 von den Krankenkassen übernommen, bisher kostet er 20 Euro. Dank der Mikrochirurgie, wie sie auch am Klinikum umgesetzt wird, können heute im Falle einer Operation wichtige Nerven und damit auch die Potenz erhalten bleiben. Professor Peter Hammerer hat das Verfahren selbst mitentwickelt. Aus ganz Deutschland kommen Patienten an seine Klinik. „Nur fünf Prozent der so behandelten Patienten haben einen Rückfall“, lässt er die Zahlen für sich sprechen.
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